Der Vennbahnweg geht von Aachen (Deutschland) durchs Hohe Venn (Belgien) bis nach Troisvierges (Luxemburg) und ist nach offiziellen Angaben 125 km lang. Hinzu kommen bei mir noch knapp 20 km für die Anfahrt von zuhause in Baesweiler bis zum Startbahnhof in Aachen Rothe Erde. Laut meiner Planung wären das dann knapp 145 km für eine Strecke, was also ganz gut an einem Tag machbar sein sollte, denn schließlich bin ich im letzten Jahr schon mal 149 km rund um die Tagebaue Inden, Hambach und Garzweiler gefahren.

Man soll wohl mit der Bahn auch wieder ganz gut von Troisvierges nach Aachen zurückkommen können, aber mein Liegedreirad ist für Bahnfahrten leider etwas unhandlich; vollbeladen erst recht. Bei normalen Zweirädern wäre das aber sicher eine interessante Möglichkeit.

Schon im letzen Jahr hatte ich mal darüber nachgedacht als Trainingsfahrt für die große Deutschland-Tour den Vennbahnweg zu fahren, aber die Bahnreise mit Liegerad hatte mich dann doch etwas abgeschreckt und außerdem fehlte letztlich auch die Zeit.

Aber jetzt habe ich die optimale Lösung für das Bahnproblem gefunden. Ich fahre einfach an einem Tag hin, übernachte im Zelt auf dem Campingplatz in Troisvierge und fahre am nächsten Tag die gleiche Strecke zurück. Keine Bahnnutzung, kein Problem.

Das lange Wochenende bot sich an. Donnerstag in Ruhe alles vorbereiten, Freitag dann den Vennbahnweg rauf, Samstag wieder runter und Sonntag ausruhen. 🙂

Donnerstag, 15. Juni 2017

Zunächst musste das Rad noch ein bisschen auf Vordermann gebracht werden, da in letzter Zeit der höchste Gang hinten nur noch mit Glück reinging. Außerdem hatte sich im Schaltwerk ohnehin eine Menge Dreck angesammelt, den ich mit einer alten Zahnbürste und etwas Kettenreiniger ganz gut entfernen konnte. Anschließend die Kette neu schmieren, etwas WD40 an Schalt- und Bremszüge und Reifendruck checken. Fertig.

Dann wurde eine abgespeckte Packliste erstellt, da ich ja nur für eine Nacht und alleine unterwegs sein würde. Zu meiner großen Freude passte so alles in die beiden großen 35 l Packtaschen sowie in den Liegeradrucksack, den ich für die Dinge verwende, die ich tagsüber evtl. benötigen könnte (etwas Verpflegung, Regensachen, Werkzeug, Ersatzakkus etc.). In den Packtaschen hatte ich im Wesentlichen auf der einen Seite den Schlafsack und das Zelt (inkl. meiner “Fahrradgarage”, also dem Vorzelt) und in der anderen die Isomatte, frische Klamotten, Kulturbeutel und ein paar andere Kleinigkeiten. In den Außentaschen dazu auf der einen Seite die kleine Kühltasche (mit kalten Getränken sowie 4 geschmierten Broten als Tagesverpflegung) und auf der anderen Seite die Brennspiritusflasche und das Kochset. Diesmal habe ich allerdings nicht das große Trangia-Set eingepackt, sondern nur den Trangia-Brenner mit leichtgewichtigen Aufsteck-Kreuz und dem Falt-Windschutz sowie einem kleinen 750 ml Topf, Besteck, Feuerzeug, Feuerstein usw.

Bei meiner langen Deutschlandtour und auch bei einer 3-Tagestour neulich mit den Kindern hatte ich notgedrungen deutlich mehr Gepäck dabei. So aber konnte ich diesmal die drei wasserdichten Packsäcke, die sich normalerweise noch zwischen Außentaschen/Gepäckträger sowie Liegeradrucksack befinden, zuhause lassen. Dadurch war der Schwerpunkt des Gepäcks deutlich niedriger und das Trike fuhr sich fast wie ohne Gepäck. Allerdings hatte ich so auch nur 23 kg Zuladung im Gegensatz zu hochbeladenen fast 50 kg bei der Deutschlandtour.

Das Rad wurde – bis auf die gekühlten Getränke, die Brote und die beiden obligatorischen 3-Liter-Wasserbeutel mit Trinkschlauch – bereits am Abend fertig gepackt, so dass ich am nächsten Morgen schnell loskonnte.

Freitag, 16. Juni 2017

Der Wecker stand auf 6 Uhr. Dann schnell duschen, anziehen und die letzten Sachen packen. Abfahrt gegen 7:10 Uhr.

Zunächst ging es auf der üblichen Route zu meiner Arbeitsstelle in Aachen-Haaren, von dort aus weiter in die Stadt rein bis zum Bahnhof “Aachen – Rothe Erde”, wo damals die Vennbahn abzweigte. Zwar ist der Vennbahnweg ab Aachen Hauptbahnhof ausgeschildert, aber von dort wollte ich nicht starten, da es a) ca. 4 km Umweg bedeutet hätte und b) ich dafür noch weiter in die Stadt hätte reinfahren müssen. Da Aachen leider recht radfahr-feindlich ist, hätte das keinen großen Spaß gemacht. Zwar gibt es in Aachen hier und da ein paar Radwege oder zumindest sog. Radschutzstreifen auf der Straße, aber das meiste ist leider Flickwerk, da offensichtlich im Rat der Stadt das Konzept und vor allem der Wille zu konsequenter Fahrradfreundlichkeit fehlen. Hier sollte man sich deutlich mehr bei unseren direkten Nachbarn in den Niederlanden oder an Städten wie Kopenhagen (Dänemark) orientieren! Die machen nämlich wunderbar vor, wie man den Radverkehr sicher gestalten kann und so auch mehr Bürger vom Auto aufs Rad lockt. Aber lassen wir das, bevor ich mich noch mehr aufrege…

Nach dem obligatorischen Startfoto am Beginn des Vennbahnwegs am Bhf. Rothe Erde ging es dann nach 20 km Anfahrt um 8:38 Uhr so richtig los.

In der Stadt war es natürlich noch nicht so schön, aber sehr bald schon wurde die Strecke deutlich grüner, und manchmal sah man sogar noch die alten Schienen neben der Strecke.

Auf und neben der Strecke gibt es so Manches zu entdecken; z. B. viele Tiere. Gesehen habe ich u.a. zwei große Hasen, zwei Eichhörnchen, eine kleine Maus, ein Rehkitz (allerdings im Gehege) und natürlich viele Vögel, Hunde, Katzen und unzählige Kühe. – In Luxemburg habe ich dann schließlich sogar eine künstlerisch begabte Schnecke entdeckt, die interessante Muster auf den Asphalt gezaubert hat:

Auch Geschichtliches gibt es zu Entdecken, nämlich direkt neben den Bahngleisen Überreste der Panzersperren des Westwalls aus dem 2. Weltkrieg.

Auch die Flora (Pflanzenwelt) ist interessant: Entlang der Strecke sah ich nämlich des Öfteren den wunderschönen Roten Fingerhut.
Aber ACHTUNG, die Pflanze sieht zwar toll aus, ist aber giftig. Daher nur Anschauen; Kinder und Tiere fernhalten!

Im hinteren Streckenabschnitt (noch in Belgien) gibt ein paar Wälder, wo die Bäume in Perfektion in Reih und Glied stehen. Einerseits beeindruckt die Symmetrie, aber andererseits hat das mit “wilder” Natur natürlich nicht mehr viel zu tun… aber auch in Deutschland ist natürlich der überwiegende Teil des Waldes bewirtschaftet.

Laubbäume dagegen kuscheln sich meist nicht so nah aneinander wie diese Nadelbäume oben. Schon klar, dass auch einem Baum da schon mal kalt werden kann. Aber nette Anwohner hatten wohl Mitleid und haben dem Baum einen Pullover gestrickt. Schickes Muster.

Die lange, lange Steigung (über 30 km) von Rothe Erde bis rauf nach Lammersdorf ist gut geteert und rollt daher super. Oben angekommen kommen ein paar Kilometer Schotter (so ungefähr von Lammersdorf bis Konzen), aber der Unterboden ist topfeben und sehr gut verdichtet, so dass man trotzdem noch gut vorankommt.

Sehr bald ändert sich der Untergrund jedoch auch schon wieder in Teer; wie ja auch der Großteil der Strecke gut geteert ist.

Begeistert bin ich von der belgischen Art, Kreuzungen des Vennbahnweges mit anderen Wegen und Straßen abzusichern! – Der vorfahrtsberechtigte Querverkehr wird durch eine vollflächige rote Markierung auf die Gefahrenstelle hingewiesen. Die Radfahrer werden durch grün markierte Bahnen auf die Kreuzung hingewiesen, und die roten Drängelgitter sind – im Gegensatz zu den üblichen deutschen Modellen – so breit, dass man auch mit einem Trike oder Fahrrad mit Kinderanhänger problemlos durchkommt ohne hängen zu bleiben. Optimal!

Und noch ein Beispiel von einer der zum Glück seltenen Überquerungen einer stärker befahrenen Straße. Wieder ist die Straße komplett rot gefärbt, um Autofahrer auf die Gefahrenstelle hinzuweisen, und auch die Radfahrer werden gut aufmerksam gemacht und gebremst:

Ein Highlight der Strecke sind natürlich immer wieder die Bahnhöfe; besonders wenn – wie hier in Sourbrodt (oder vorher auch schon in Walheim) – noch Signalanlagen und alte Waggons oder gar Lokomotiven stehen bleiben durften.

Zwischendurch kann man übrigens auch Fernsehen. 3D und Auswahl der Sprache (FR, NL, DE) inklusive. Wie viel Zoll Diagonale hat das Teil eigentlich? Auf jeden Fall ein Super-Breitbild-Format. 😉

Eine sehr schöne Stelle ist auch die Anfahrt auf Born (Belgien) mit seinem Viadukt, welches die Dorfkirche so wunderbar einrahmt.

Als ich Born erreichte, war es längst mal wieder Zeit, eine kleine Essenspause zu machen, um den Körper rechtzeitig mit Energie zu versorgen. Auf meiner Deutschland-Tour im letzten Jahr hatte ich ja schnell lernen müssen, dass mein Körper unleidlich werden und für schlechte Laune sorgen kann, wenn er auf anstrengenden Touren nicht spätestens alle 3 Stunden Energie-Nachschub bekommt. Daher hatte ich mir vorgenommen, rechtzeitig alle 2,5 Stunden mindestens ein Brot einzuwerfen, um dem vorzubeugen. Ich hatte mir dazu 4 Brote geschmiert und zusätzlich noch ein paar Butterkekse und was von Haribo eingesteckt. Allerdings gab es vor Born schon eine Zeit lang keinen Rastplatz, so dass ich am Ortsausgang von Born einfach auf dem Seitenstreifen Pause gemacht und gegessen habe. Schließlich ist es auf meinem Liegedreirad mindestens genauso bequem wie auf irgendeiner Bank; wenn nicht sogar bequemer. 😉
Allerdings war ich dann doch etwas enttäuscht, als ich nur wenige hundert Meter nach meiner Pause diesen tollen Rastplatz sah. Schade, jetzt hatte ich meine Pause schon gemacht und musste mir den Test der Liegen leider untersagen, da ich ja noch einige Kilometer vor mir hatte. Pech.

Vorschlag für die Macher solcher Radwege:
Sehr hilfreich wäre es, wenn es – wie auf Autobahnen für Raststätten und Tankstellen üblich – Hinweisschilder an Rastplätzen gäbe, wie weit es noch bis zum nächsten Rastplatz ist. Dann kann man sich besser entscheiden, ob man noch etwas weiterfahren möchte und lieber kurzfristig Pause machen sollte.

Und nun ein kleines Quiz: Welche Zahl ist doppelt?

Diese Schilder gibt es entlang der ganzen Strecke immer wieder, so dass man in Notfällen Rettungskräfte recht gezielt anfordern kann. Super Sache, aber habe ich zum Glück nicht gebraucht.

Nochmal zurück zur Strecke: Die ersten gut 90 km Vennbahnweg bis St. Vith liefen prima. Die Strecke war – bis auf die kleine Ausnahme hinter Lammersdorf – immer gut geteert und man fuhr immer auf der Vennbahntrasse. Die letzen 34 km waren zwar landschaftlich weiter grandios, aber die Strecke fand ich gar nicht mehr so toll, denn man fuhr nun öfters mal abseits der Vennbahntrasse mit z. T. echt heftigen 10%igen Anstiegen und Gefällen oder man fuhr auf der Trasse, aber von Teer keine Spur mehr. Neben vergleichsweise lockerem Schotter gab es sogar lange Abschnitte mit nur zwei Fahrspuren und Grasstreifen in der Mitte, was für Trikes leider sehr unangenehm ist, weil es massiv bremst, wenn man mit zwei von drei Rädern durchs Gras fahren muss; noch dazu bergauf. *stöhn*

Nun ja, ich habe auch das überstanden und konnte nach einem weiteren steilen Anstieg kurz vor dem Schluss den Panoramablick auf den Bahnhof meines Zieles Troisvierges genießen:

Dann noch schnell den Berg hinunterrollen und ein schönes Zielfoto machen. Die Vennbahn fährt hier zwar nicht mehr, aber andere Bahnen sehr wohl, wie man sieht.

Danach ging es noch ein letztes Mal bergauf, nämlich die Hauptstraße von Troisvierges hinauf, um dann aber bald schon zum Campingplatz abzubiegen, wo ich schließlich um 18:45 Uhr, d.h. nach 11:35 h Bruttofahrzeit angekommen bin. Das ergibt laut meinem Garmin einen Gesamtschnitt von 12,5 km/h, d.h. inkl. aller Pausen-/Standzeiten von nur 1:08 h. Betrachtet man nur die Fahrzeiten (ohne Pausen) lag der Schnitt bei 13,9 km/h. – Laut meiner Routenplanung mit gpsies.com, womit ich alle meine Routen plane, beträgt die absolute Höhendifferenz von Start bis Ziel 431 m, wobei der Gesamtanstieg 1.578 Höhenmetern beträgt (mit 1.286 hm Gesamtabstieg). In Anbetracht der Anstiege und der am Ende teilweise schlechten Wegstrecke ist der Gesamtschnitt für mich völlig OK.

Und hier das Höhenprofil aus meinem GPS-Track:

Gestartet bin ich zuhause bei 136 Höhenmetern, der höchste Punkt liegt bei 564 Metern ü. NN., aber wie man sieht, begibt man sich mehrfach auf das Niveau von um die 550 hm, wobei dazwischen leider Täler mit 100 bis 200 Höhenmetern weniger liegen.

Auf dem Campingplatz wurde ich freundlich (und auf Deutsch) empfangen. Die Übernachtung im Zelt hat 11,70 € gekostet und zwar inkl. unbegrenzt warm duschen :-D. Auf der Zeltwiese stieß ich dann schnell auf ein nettes, junges Pärchen, dass ich im Verlauf der Tour schon mindestens dreimal gesehen hatte, denn sie haben wohl öfter Pausen als ich gemacht, waren aber auf ihren normalen Zweirädern auch etwas schneller als ich und haben mich daher immer wieder überholen können. Als ich eintraf, hatten sie immerhin schon ihr Zelt aufgebaut und ein kühles Getränk in der Hand. Wir haben uns dann noch eine Weile nett unterhalten. Es stellt sich heraus, dass sie am Vortag mit dem Rad von Köln nach Roetgen gefahren und heute dann dort auf dem Vennbahnweg eingestiegen sind. Bis Sonntag wollen sie noch weiter nach Trier und von dort mit dem Zug zurück nach Köln. Klingt ebenfalls nach einer netten Tour.

Thema Essen bzw. Kochen:
Ich hatte ja auf dieser Tour erstmalig nicht das große Trangia-Kochset, sondern nur die abgespeckte Variante dabei, welches ich leider noch nicht im praktischen Einsatz hatte, was sich leider als Problem herausstellte. – Das Problem lag aber nicht unbedingt an der Ausstattung an sich, sondern wohl eher an meiner Essenwahl. Ich hatte mir nämlich für die Tour so eine Trockenfertigpackung mit Spätzle und Champingnonsauce ausgesucht, die man einfach nur in 500 ml kaltes Wasser einrühren und erhitzen muss. Das erste Problem war, dass der Topf mit nur 750 ml etwas zu knapp bemessen war. Eigentlich sollte man das Gericht ohnehin in einer Pfanne zubereiten, was ich aber zu spät gesehen habe. Der Topf jedenfalls war mit Wasser und Spätzle zusammen schon so gut wie voll. Als das Ganze dann auch noch anfing zu blubbern, kochte es natürlich sofort über und saute den trangia-Brenner ein. Dann offenbarte sich der zweite Nachteil der Lightweight-Variante. Da das Aufsteckkreuz, auf dem der Topf steht, direkt auf dem Trangia-Brenner steckt, kann man den Regulierring nicht anbringen, um die Brennstärke zu verringern. Man kann also nur mit voller Hitze kochen, was das Überkochen noch verschärft hat. Zunächst habe ich mir durch Interval-Kochen beholfen, d.h. ich habe den Topf immer kurz auf den Brenner gestellt bis es fast überkocht, dann kurz wieder runter, dann wieder drauf usw.  Leider nicht optimal und etwas lästig. Es wäre notfalls gegangen, aber ich war doch sehr froh, als mir das nette Pärchen anbot, dass sie mir einen größeren Topf leihen können, den sie gerade nicht brauchten. Das Angebot habe ich gerne angenommen. – An dieser Stelle nochmal vielen lieben Dank für die großartige Hilfe unter Fahrradcampern. Ihr seid die Besten, Prost! 🙂

Ich werde den kleinen Topf wohl erstmal im heimischen Garten auf taugliche Gerichte prüfen müssen… oder einfach immer einen großen Topf mitnehmen. Tja, selbst Schuld, wenn man die Dinge nicht schon zuhause testet, sondern erstmals auf Tour. – Naja, zur Not hätte ich auch noch Brühwürfel, eine kl. Nudelsuppe und Bifis fürs Abendessen gehabt. Ich wäre also auch nicht verhungert, wenn das Gericht komplett misslungen wäre. Ganz doof bin ich ja auch nicht…

Die anschließende warme Dusche tat gut! Die Augen zugemacht habe ich dann schließlich gegen 23 Uhr.

Samstag, 17. Juni 2017

Die Nacht war nicht ganz so gut. Einerseits ist die erste Nacht im Zelt meistens etwas unruhiger, weil ungewohnt, aber vor allem taten meine beiden Knie doch ziemlich weh. Muskulär hatte ich keinerlei Beschwerden. Da bin ich scheinbar noch fit genug, aber die dauerhaften bzw. zum Teil krassen Steigungen gingen doch sehr auf die Kniee. 🙁

Irgendwann bin ich dann aber doch für etwas länger eingeschlafen und wäre am liebsten noch etwas liegen geblieben, als um 6:15 Uhr der Wecker ging. Aber ich weiß ja, dass ich ohne Hektik ca. 2 Stunden brauche, um aufzustehen, mich frisch zu machen, alles zu packen und auf dem Rad zu verzurren. Da ich diesmal weniger Gepäck dabei hatte, ging es entsprechend etwas schneller. Daher Wecker erst auf 6:15 Uhr statt 6:00 Uhr. 15 Minuten Extraschlaf!

Ich war auf jeden Fall pünktlich um kurz vor 8 Uhr an der Rezeption, um auszuchecken, d.h. den Dusch-Chip abzugeben und die Übernachtung zu bezahlen. Vorher hatte die Rezeption ohnehin nicht auf, wobei mir der freundliche Besitzer(?) am Vorabend sogar angeboten hatte, dass er auch früher da sein könnte, wenn mir 8 Uhr für die Abreise zu spät sei. Da wird Service echt groß geschrieben. Super. – Aber 8 Uhr war für mich ausreichend.

So fuhr ich dann ziemlich genau um 8 Uhr los. Zunächst noch bei der Bäckerei Fonk auf der Hauptstraße vorbei, um 3 belegte Brötchen und ein Teilchen als Tagesverpflegung einzukaufen. Kalte Getränke (Cola in Dosen) hatte ich schon auf dem Campingplatz besorgt.

Kurz noch was zu den Sprachen: Bei der Anreise hatte ich in Troisvierges zwei Passanten gefragt, wie ich am schnellsten zum Campingplatz komme. Ich kannte zwar meine offizielle Route, aber die ging den Berg rauf und ich hatte gehofft, dass es vielleicht einen anderen Weg im Tal gäbe, wo auch der Campingplatz liegt. Die beiden unabhängig voneinander angesprochenen Herren haben meine deutsche Frage zwar nicht so ganz verstanden und auf französisch geantwortet, aber da sie immerhin “Camping” verstanden haben, waren sie doch sehr bemüht, mir mit Händen und Füßen sowie – einer von Ihnen – sogar mit sowas ähnlichem wie Deutsch zu helfen. Die Dame an der Rezeption des Campingplatzes beim Auschecken sprach französich und englisch, der vermutliche Chef auch deutsch. Die beiden freundlichen Damen in der Bäckerei sprachen ebenfalls sehr gut Deutsch (auch untereinander); mit einem sehr charmanten Luxemburgischen Akzent. Ist das schon Luxemburgisch bzw. Lëtzebuergesch wie die Einheimischen sagen; oder vielleicht hochdeutsch mit lëtzebuergeschem Einschlag?

Die Rückfahrt verläuft problemlos. Mein nächtliche Befürchtung, dass die Rückfahrt aufgrund von Knieproblemen evtl. gefährdet sein könnte, hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Zwar waren die Kniee immer noch angeschlagen und beschwerten sich etwas, wenn ich zu feste in die Pedale trat bzw. treten musste, wie z. B. an den 10%-Steigungen, aber zum Glück hatte ich das gut im Griff und kam recht flott vorwärts.

Am Vortag hatte ich ja noch etwas über 11,5 h für die Hinfahrt benötigt, für die Rückfahrt jetzt jedoch nur noch genau 10 Stunden, so dass ich bereits um 18 Uhr wieder zuhause war. Dabei hatte ich mit 1:06 h fast genau die gleichen Pausen-/Standzeiten wie auf der Hinfahrt, aber da es auf der Rückfahrt deutlich mehr bergab ging, schnellte der Gesamtschnitt um gut 2 km/h auf 14.4 km/h rauf; das Fahrtmittel (ohne Pausen) betrug sogar 16,2 km/h. Da machten sich die kilometerlangen Abfahrten, die ich trotz wenig Anstrengung mit z. T. mehr als 30 km/h fahren konnte, als Ausgleich zu den langsamen Aufstiegen positiv bemerkbar.

Auf der Hinfahrt hatte ich eine Abfahrt, bei der ich kurzfristig knapp 50 km/h schnell war, aber auf der Rückfahrt habe ich dann hinter Lenglerlach (9,8 km nach dem Start am Campingplatz) mit mindestens 58 km/h den Geschwindigkeitsrekord dieser Tour aufgestellt. Leider konnte ich das Tempo nicht auskosten oder gar für den nächsten Anstieg nutzen. Stattdessen war eine scharfe Bremsung vor der bald folgenden engen Kurve notwendig. Schade… aber hat trotzdem Spaß gemacht. 😀

Das Höhenprofil der Rückfahrt sieht so aus (die Hinfahrt gespiegelt):

Fazit

288 km in zwei Tagen durch drei Länder mit einem Gesamtanstieg von 2.864 Höhenmetern.
Eine anstrengende, aber schöne Tour.

Auf meiner Deutschlandtour 2016 von Flensburg nach Oberstdorf habe ich das ein oder andere zum Schmunzeln entdeckt. Hier die 15 Highlights:

1. Wenn DAS Teil fliegt, tauche ich demnächst mit ‘nem Airbus zum Meeresgrund.zeppelin-bagger

2. Neuer Trend: Wetter-Kuh statt Wetter-Hahn.

Neuer Trend: Wetter-Kuh statt Wetter-Hahn.

3. Neue Welt? Ist das nicht Amerika? – Nächster Halt: New York City.weg-zur-neuen-welt

4. Bäuerin oder schwuler Bauer?

rosa-ballen

5. Begrüßung morgens auf dem Lande:

kuhten-morgen

6. Hier sollten Radfahrer mit Namen Fritz niemals nie nicht links abbiegen!

sterbfritz

7. Mehr aus der Reihe “Lustige Ortsnamen”:

poppenweilerDer Name hat mich allerdings nicht besonders überrascht, denn hier im Dreiländereck D-NL-B gibt es z. B. die Orte “Bettendorf”, “Puffendorf” und “Geilenkirchen”.

8. Und dann sagte der Cowboy in gebrochenem Deutsch:

geb-sattel

9. Schilder, die die Feuerwehr im Einsatz nicht gern liest:

hydrant-trocken

10. Achtung, dreiste Plagiate kommen nicht nur aus China!

ferrari

11. Ich wusste gar nicht, dass Petrus auch einen Campingplatz betreibt. Vielleicht hilfreich bei Wartezeiten vor dem Tor zum Jenseits!?

campingplatz-himmelspforte

12. Analphabeten besser nicht(!) links abbiegen.

buch

13. Krieg im Bett?

bettwar-beginnAber jeder Streit ist auch irgendwann vorbei:

bettwar-ende

14. DAS muss das Neuland sein von dem die Merkel immer im Zusammenhang mit dem Internet spricht:

neuland

15. CDU-Wahlplakat-Slogans: Die Krönung der Null-Aussage.

mehr-dialogmehr-cduEs gibt mehrere Varianten:
“Mehr Dialog!” (siehe links)
“Mehr Transparenz!”
“Mehr Internet!”

“Mehr … äh … mir fällt nichts mehr ein”, sagte einer.

Darauf der andere: “Wie wär’s mit: Mehr CDU?”

Alle: “OK, super! Die doofen Wähler merken eh nicht, dass es uns längst nicht mehr um Inhalte, sondern nur noch um Machterhalt geht!”

Übrigens: Die anderen Parteien waren aber auch nicht besser. Die CDU hat das nur auf die Spitze getrieben. – Ist das eigentlich noch Wahlwerbung oder schon Real-Satire?

Montag, 12.09.2016:

Heute ging der Wecker schon vor 7 Uhr, weil ich auf jeden Fall zuhause anrufen wollte, um meiner Jüngsten zum 7. Geburtstag zu gratulieren. Eine Glückwunschkarte sowie ein kleines Geschenk hatte ich schon letzte Woche in Minden besorgt und so früh abgeschickt, dass die Sachen auf jeden Fall rechtzeitig vor dem Geburtstag ankommen. Sie hat sich wohl auch sehr darüber gefreut. 🙂
Es ging halt leider nicht anders, als im September zu fahren und damit in Kauf zu nehmen, dass ich an Sophies Geburtstag nicht da bin. Daher musste ich mich schon ein bisschen anstrengen, um das wieder gut zu machen. 😉

Heute gab’s bzgl. der Tagesverpflegung was Neues. Normalerweise hole ich mir ja belegte Brötchen beim Bäcker, aber ich habe ja in der Jugendherberge übernachtet und da gehört das Frühstück mit zum Preis dazu. Das kann man auch nicht rausbuchen. Also bin ich heute am Montagmorgen in den (fast leeren) Frühstücksaal gegangen und habe mir die üblichen zwei Brötchen geschmiert und eingepackt. Vermutlich darf man eigentlich nichts mitnehmen, aber ob ich zwei Brötchen dort esse oder nichts esse, aber zwei Brötchen geschmiert mitnehme, macht für die ja keinen Unterschied. Immerhin habe ich allerdings noch eine Banane direkt vor Ort gegessen und zwei Tassen O-Saft dazu getrunken. Eine gekühlte Cola – auch, um die Brötchen frisch zu halten – konnte ich dort auch kaufen. Prima, damit bin ich für die nächsten Stunden versorgt.

Mein Zimmer lag im ersten Stock ganz am Ende eines langen Flures, obwohl ich sicher bin, dass auch deutlich nähere Zimmer frei gewesen wären, aber egal. So habe ich meine ganzen Sachen halt wieder den ganzen Weg zurück zum Eingang geschleppt. Diesbezüglich ist Campen doch irgendwie praktischer, denn man kann ohne Schlepperei das Rad direkt neben dem Zelt beladen. Bei Regen notfalls sogar im Zelt.

p1000790Dann gab es natürlich noch das unvermeidliche Gespräch mit dem Chef des Hauses wg. des Brandlochs im Tisch. Der Tisch habe 600,- € gekostet (Anm. Stefan: Allerdings hat der auch schon eine Menge anderer Löcher, wenn auch kleinere.), aber er könne das vermutlich reparieren lassen, so dass es vielleicht nur um die 50,- € kosten würde. Er würde sich dann melden. OK, meine Kontaktdaten hat er ja. Mal sehen, wann er sich meldet und was er dann genau will. Notfalls muss ich halt die Versicherung einschalten. Wird schon werden…

Dann wollte ich mein Rad aus der Fahrradgarage holen. Dort hatte ich das Rad sicherheitshalber mit zwei Schlössern gesichert. Schloss 1 ist ein recht stabiles Faltschloss mit Schlüssel. Kein Problem; Schlüssel ist da. Schloss 2 ist ein einfaches dünnes Kabelschloss mit Einzugsautomatik und Zahlenschloss, wie es das vor einiger Zeit mal bei Aldi gab. Ich weiß, dass das Schloss nicht besonders sicher ist, aber es soll auch eher einen abschreckenden Charakter für Gelegenheitsdiebe haben, wenn ich den Schlüssel für das andere Schloss nicht zur Hand habe, denn das Zahlenschloss kriege ich ja immer auf, denn die Zahlenkombination habe ich mir gut gemerkt (und außerdem noch in meinem Passwort-Manager KeePass hinterlegt). Eine sichere Sache also… dachte ich… aber heute Morgen ließ sich das Zahlenschloss nicht mehr öffnen, obwohl ich ganz sicher – mehrfach kontrolliert – die übliche Kombination verwendet habe. Vielleicht hat sich unbemerkt die Kombination verstellt? Keine Ahnung, jedenfalls ging das Sch**ss-Ding nicht mehr auf. 🙁 Hier zahlte es sich jetzt aus, dass das Sicherheitsniveau des Schlosses nicht besonders hoch ist, denn ich konnte die Stränge des verzwirbelten Kabels einzeln mit einer Kneifzange, die ich zum Glück in meinem Werkzeugfundus mitführe, durchtrennen. Ich habe also heute Morgen mein eigenes Rad geknackt. Oh, Mann! – Übrigens stand die Kneifzange schon fast auf meiner Streichliste, weil das Multitool auch eine Kneiffunktion in der Zange integriert hat, aber damit kann man bei weitem nicht so gezielt arbeiten wie mit einer richtigen Kneifzange. Jetzt bin ich sehr froh, dass ich sie doch mitgenommen habe. So musste ich wenigstens niemand von der Jugendherberge bitten, mir Werkzeug zum Knacken eines Fahrradschlosses zu leihen. Das hätte nur unnötige Fragen aufgeworfen. 😉 Wo ich schon den “guten” Tisch beschädigt hatte …

Nun ja, das alles hat natürlich mal wieder ziemlich gedauert, so dass es erst um 9:45 Uhr los ging. Frühstück gab es dann während der Fahrt, ungefähr eine Stunde nach Abfahrt gegen 10:45 Uhr.

p1000805Eine halbe Stunde später nehme ich in Schmalnau Abschied von der Fulda und dem Fuldaradweg R1, denn der D9 verläuft jetzt auf dem R2 durchs Tal der Sinn. Macht Sinn, oder? (Sorry, aber DAS Wortspiel musste jetzt sein!)

In meinen Unterlagen hatte ich schon notiert, dass heute über viele Kilometer mit Steigungen zu rechnen ist und so war es dann auch. Gestartet bin ich bei der Jugendherberge von 304 m über NN, dann ging’s erst mal wieder runter zur Fulda, welche im Süden der Stadt Fulda (echt verwirrend, wenn Stadt und Fluss gleich heißen) auf 285 m ü. NN liegt. An der Fulda ist noch alles recht gut, aber ich bog ja recht bald ab und da fingen die z. T. recht knackigen Steigungen dann an. Um 12:45 erreichte ich die Schnapszahlhöhe von 444 Metern über NN, aber ich hatte wieder nichts Alkoholisches zu Trinken da, also einfach weiterfahren.

Der Höhepunkt nach langem Aufstieg war bei 502 m ü. NN nach 34,9 km um 13:38 Uhr erreicht.

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Ausblick vom höchsten Punkt der heutigen Etappe auf 502 m über NN.

Danach ging es erst mal steil abwärts (coole Schussfahrt!), so dass ich um 14:10 Uhr wieder auf 289 m war, also der Höhe, auf der ich in Fulda an der Fulda gestartet bin. Ergo: Alles völlig “unnötige” Berge. 😉 Natürlich gab es nicht nur den einen großen Anstieg, sondern es gab immer wieder ordentliche Steigungen, dann wieder Abfahrten usw. Aber da ich damit gerechnet hatte, war alles halb so schlimm. Alles eine Frage der Einstellung! – Übrigens, der heutige Campingplatz (in Gemünden am Main) liegt sogar nur noch auf 159 m ü. NN, ich bin also heute sehr viele Höhenmeter raufgefahren, aber immerhin etwas über 100 Höhenmeter weiter runter. Ist ja schon mal was. Im Gegensatz zu den meisten anderen Flüssen, denen ich so im Laufe der Tour folge, durfte ich nämlich ausnahmsweise mal die Sinn hinunter fahren. Normalerweise fahre ich die Flüsse ja rauf, wodurch sich zwangsläufig eine Gesamtsteigung ergibt.

Nach einer kurzen Rast in Zeitlofs, wo ich tatsächlich einen geöffneten Bäcker direkt an der Route sah, was heute sonst kaum/nicht vorgekommen ist, fiel mein Blick auf ein Schild, das auf die “Röhn-Apotheke” hinwies. Da wurde mir nochmal klar, dass ich ja gerade in der Röhn unterwegs bin. Röhnräder habe ich aber keine gesehen. Nun ja, jedenfalls hat mich das zu einem spontanen kurzen Gedicht animiert:

Die Röhn (aus Sicht eines Radreisenden)

Die Röhn
ist sehr schön,
aber ich gewöhn’
mich nur schwer an die Höh’n.

(von Stefan Leupers, 12.09.2016)

Genial, oder? – Hat Goethe eigentlich jemals ein Röhn-Gedicht verfasst? 😉

Die Strecke heute war übrigens angenehm ruhig. Während es auf dem Weserradweg von anderen Radlern nur so wimmelte, so dass man kaum aus dem Grüßen rauskam, war es auf dem Fuldaradweg schon etwas ruhiger, aber immer noch recht viel los. Wobei ich sagen muss, dass es um die große Stadt Kassel besonders schlimm war, denn da nutzten abends unglaublich viele Rennradfahrer und einige Mountainbiker den Fuldaradweg als Rennstrecke. Nicht schön, wenn man so gemütlich mit viel Gepäck unterwegs ist. Auf dem R2 im Sinntal schließlich sind mir kaum noch Radler begegnet. Klar, mit den ganzen Steigungen ist das ja auch nicht jedermanns Sache, und deutlich abgelegener und ländlicher ist es auch. Es ist z. T. sogar so wild, dass es nicht mal geeignete Feld- oder sonstige Radwege gibt. Größere Teile die Berge rauf und runter mussten daher auf der Straße gefahren werden, aber ich bin mit leuchtend gelbes Taschen und – auch bei Tag – immer vorne und hinten mit Licht fahrend, sehr gut zu sehen, so dass es keine echten Probleme mit Autos gab. Nur zwei-/dreimal mussten hinter mir Autos oder auch mal ein LKW voll in die Eisen steigen, weil sie eigentlich Schwung hatten zum Überholen, dann aber wegen Gegenverkehr kurzfristig doch nicht konnten. Da brauchte ich manchmal schon gute Nerven, aber ich habe die herannahenden Autos und LKWs immer ganz gut in den beiden Spiegeln beobachten können und hätte – wenn es brenzlig geworden wäre – zumindest noch versuchen können auszuweichen. War aber nie richtig nötig. Nur als ein großer LKW dicht hinter mir die Bremsung hinlegte, habe ich doch mal nach rechts rüber gezuckt. Sicher ist sicher. 😉

In den Vorgärten entdeckt man übrigens immer mal wieder liebevolle Accessoires. Mein persönliches Highlight heute war das Blumen-Dreirad. Tolle Konstruktion!

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Wetter: Gestern war es ja schon warm, aber heute wieder volle Sonne und dazu noch die Steigungen. Daher war schon um 16:15 Uhr und nach nur 63,5 km der erste 3 Liter Trinkbeutel leer und musste gewechselt werden. So brauchte ich also erstmalig die Reserve auf der Tagesetappe.

Um kurz nach 18 Uhr erreichte ich den Campingplatz Gemünden am Main, welcher allerdings nicht am Main liegt, sondern an der nur wenig später in den Main mündenden Fränkischen Saale. Genau genommen liegt der Campingplatz (und das angrenzende Freibad) auf einer Saaleinsel gegenüber der Stelle, wo die Sinn in die Saale mündet. Der Campingplatz ist übrigens prima. Mit 11 € für 1 Person mit Zelt zwar keiner von den ganz günstigen, aber unbegrenzt Duschen ist dafür schon im Preis inbegriffen. Die machen hier also die Unsitte, für jedes Duschen 50 Cent (oder so) extra zu verlangen und die Duschzeit auf 3, 5 oder 7 Minuten zu begrenzen zum Glück NICHT mit. Duschen soll zwar in erster Linie sauber machen, ist für mich aber nach einem langen verschwitzten Tag auf dem Rad auch ein bisschen Entspannung, aber man kann sich nicht entspannen, wenn die Uhr läuft und man jederzeit damit rechnen muss, dass das Wasser unwiderruflich stoppt oder zumindest kalt wird. Auch, wenn 5 Minuten eigentlich ausreichend sind, um sauber zu werden, erzeugt allein der Gedanke an die Zeitbegrenzung bei mir Stress und das ist das Gegenteil von Entspannung. Daher kann ich diesen Campingplatz nur wärmstens empfehlen. Die haben sogar einen großen Waschraum mit mehreren Waschmaschinen und vielen Wäscheständern, so dass man seine Sachen prima im Sanitärhaus trocken lassen kann. War bei mir nicht nötig, weil ich das ja gestern schon in der Jugendherberge erledigen konnte, aber so eine Ausstattung hier ist echt klasse; insbesondere für Radreisende. Wenn ich gewollte hätte, hätte ich sogar noch kostenlos ins angrenzende Freibad gehen dürfen, aber dafür war es mir schon zu spät. Und sie haben auch ein einfaches Restaurant im Haus mit drin. Das habe ich heute mal genutzt, weil meine Vorräte über das Wochenende aufgebraucht wurden und ich heute auf der Route keinen Supermarkt an der Strecke gefunden habe. Da ich mich heute Abend nicht nur von Bifi Roll und Butterkeksen ernähren wollte (Notration), habe ich mir eine Currywurst mit Pommes gegönnt und dazu zwei Radler, weil ich ja tagsüber keins bekommen habe, denn Tankstellen mit Shop gab es auf der Strecke ebenso wenig. => Dicke Empfehlung für diesen Campingplatz.

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Letzer Blick auf die Fulda.

Das war jedenfalls mal wieder ein sehr erfolgreicher Tag. Die Fulda hinter mir gelassen (siehe Foto), die ersten richtigen Bergetappen relativ problemlos bewältigt, d.h. keine körperlichen Probleme damit, nur die Geschwindigkeit ist dann halt niedrig, das Sinntal durchfahren und den Main erreicht (naja, fast). Auf der Fahrt gar nicht bemerkt, aber ich habe nach Schleswig-Holstein, Niedersachen, (kurz) Nordrhein-Westfalen und Hessen nun das fünfte und letzte Bundesland meiner Nord-Süd-Deutschlandtour erreicht, nämlich Bayern. (Nachtrag: Stimmt gar nicht, es wird auch noch kurze Abstecher nach Baden-Württemberg geben. Somit durchfahre ich sogar sechs Bundesländer!) Der Gesamtkilometerstand liegt jetzt schon bei 901 km. Somit habe ich schon knapp 2/3 der Strecke absolviert! Wow, ich fand, das ging ziemlich schnell. Für mich ist die Zeit jedenfalls gerast, denn die Tage sind so vollgepackt, dass keinerlei Zeit für Langeweile bleibt. Immer ist man beim Abbauen/Einpacken, beim Fahren auf dem Rad, beim Aufbauen/Auspacken, bei der nötigen Körperpflege, beim Essen, Bloggen und schließlich Schlafen. Und jeder Tag ist so voll mit Eindrücken und neuen Erfahrungen, dass es im Rückblick schwerfällt, das alles sortiert zu bekommen. Außerdem ist es eine interessante Erfahrung, wenn man morgens noch nicht weiß, wann und wo man was zum Essen findet und wo man abends schlafen wird. Natürlich habe ich morgens einen groben Plan im Kopf, wo ich mindestens und idealerweise hin möchte, aber aufgrund äußerer Einflüsse klappt das eben oft so nicht. Da muss ich meine selbstgemachte Etappen-Liste mit potentiellen Unterkünften wälzen und überschlagen, was ich schaffen könnte. Die ursprüngliche Idee, einfach bis 16 oder 17 Uhr zu fahren und dann den nächstbesten Campingplatz zu nehmen, scheitert schon allein daran, dass es immer wieder auch Etappen gibt, da kommt für 50 km kein einziger Campingplatz. 50 km sind aber gut 4 Stunden Fahrt. Viel später als 18 Uhr sollte man aber nicht am Campingplatz ankommen, wenn man das Zelt aufbauen und Essen kochen noch im Hellen machen möchte. Die Duschen finde ich dann auch im Dunkeln. Das ist das geringere Problem.

Und wie üblich noch der Track, wobei die Karte gut zeigt, dass auf der ganzen Strecke an der Sinn zwischen Fulda und Gemünden keine größeren Orte sind:

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PS: Da mein Notebook einfach nicht mehr richtig online gehen will, habe ich jetzt mal versucht, die auf dem Notebook erstellten bzw. erarbeiteten Artikel und Bilder per Bluetooth vom Notebook auf das Smartphone und von da dann in den Blog hochzuladen. Ist zwar ein bisschen lästiger, aber WordPress kriegt die Artikelbearbeitung  auf dem kleinen Handy-Display erstaunlich gut hin. Bravo. – Somit sind jetzt alle bisherigen Tage veröffentlicht. – Seht mir gelegentliche Tipp- und Satzstellungsfehler bitte nach. Es wurde manchmal spät. [Tina: Die Korrektur wird meine liebe Frau übernehmen, sobald sie die Blogeinträge findet. ;-)]

Samstag, 10.09.2016:

Gestern bin ich ja nach den 123 km recht spät am Campingplatz angekommen und daher hat sich auch alles andere entsprechend verschoben. Daher habe ich den Wecker mal auf 8 Uhr gestellt und den Morgen etwas ruhiger angehen lassen. Abfahrt somit erst gegen 10:30 Uhr, aber was soll’s. 😉

Auf geht’s, weiter die Fulda rauf. Die nächste Bäckerei auf meiner Route war in Melsungen, was aber noch ein ganzes Stück zu fahren war. Die normale Route, d.h. mein D9 bzw. aktuell der Fuldaradweg, welcher hier in Hessen R1 heißt, führt meist schön nah an der Fulda, aber eben nicht an passenden Geschäften vorbei. Wie so oft fand ich zuerst eine Tankstelle und holte dort zumindest schon mal die gekühlten Getränke. Leider waren die Brötchen in dieser Tankstelle nicht so berauschend, so dass ich verzichtet und weitergesucht habe. Kurz danach fand ich dann eine Bäckerei in einem Supermarkt, der “tegut” heißt. Das scheint eine Kette zu sein, denn den gleichen Supermarkt fand und nutzte ich später auch in Rotenburg an der Fulda. Allerdings muss das wohl eine lokale Kette sein, denn bei mir zuhause im Rheinland kenne ich die nicht. Von der Größe und Ausstattung würde ich die mit Edeka vergleichen. Nun ja, das erste Brötchen des Tages wurde dann jedenfalls beim Rausrollen aus der Stadt auf dem Rad vertilgt. Da die Bedienung zwar gesagt hatte, sie würde Butter drauf tun, stattdessen aber wohl doch (auch?) Remoulade verwendet hat, musste ich jedoch auch mal anhalten, um das ganz vorsichtig zu essen, damit nichts kleckert. Dieses “Früh”stück bzw. eher “Spätstück” gab’s also heute erst nach 12 Uhr.

Notiz an mich selbst:
In Bäckereien unbedingt drauf bestehen, dass nur(!) Butter verwendet wird und keine(!) Remoulade.
Habe ich bisher immer vergessen dazuzusagen, aber gefragt haben sie auf meiner bisherigen Tour noch nie. 🙁 Bei meiner Stammbäckerei in Aachen-Haaren fragen sie normalerweise. Das finde ich besser. – Es schmeckt ja super mit Remoulade, aber es kleckerst eben leider auch ziemlich.

Fluss: Anfangs sah man fast keinen Unterschied zwischen der Weser und der Fulda, was wohl aber auch daran lag, dass es eine Reihe von Staustufen gab, die die Fulda tiefer und breiter aussehen machten als sie eigentlich ist. Mittlerweile gibt es keine Staustufen mehr und die Fulda ähnelt in Breite und Tiefe der Rur (die ohne “h”) bei Düren oder Jülich.

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Das positive Highlight des heutigen Tages war die Überquerung der Fulda. – Was? Diese Flußüberquerungen mache ich doch andauernd und fahre mal auf der rechten und mal auf der linken Seite. Stimmt, aber bisher gab’s immer Brücken, diesmal nur eine schwebende Seilzug”fähre” mit Handbetrieb! Als ich eintraf, verließ gerade eine Gruppe von Radfahrer, die wohl in zwei Gruppen fahren musste, da maximal 4 Personen und 4 Fahrräder zugelassen sind, die “Fähre”. Praktischerweise war die Gondel damit immerhin schon mal auf der richtigen Seite. Ich habe mein Fahrrad vorsichtig hineingeschoben (es passte so gerade), die Türen geschlossen und dann fing das Kurbeln an. In der “Bedienungsanleitung” stand, dass zwei Leute kurbeln sollen, aber ich war allein, also wurde auch allein gekurbelt. Sonst sind ja immer nur die Beine aktiv, aber jetzt mussten die Arme mal ran. Meine Beine sind allerdings gut trainiert und können ohne Probleme den ganzen Tag lang viele Stunden in die Pedale treten. Die Arme dagegen waren froh, als einige Minuten später die Anlegestelle auf der anderen Seite erreicht war. Es ist übrigens schon irgendwie ein… äh, sagen wir mal… interessantes Gefühl, so allein mitsamt Rad mitten über dem Fluss zu schweben… mit nichts unter einem als einem Metallgitter. Es machte zwar alles einen neuen, stabilen Eindruck, aber ich habe schon kurz überlegt, was ich mache, wenn der Korb mit mir und Rad doch ins Wasser fallen sollte. Sicher ist sicher… 😉

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Um 14:30 die erste richtige Pause mit auf einer Bank sitzen, (zweites) Brötchen essen und Radler trinken.

Ich bin von meinem Liegedreirad (Trike) immer noch total begeistert, da man damit einfach sehr bequem reisen kann und es sich gut anfühlt, damit zu fahren. Der Spaßfaktor ist einfach höher als beim normalen Rad. So ein bisschen Go-Kart-Feeling umschreibt es vielleicht am besten. Und dennoch hat mein Rad heute leider auch das negative Highlight gesetzt. Schon sehr früh auf der Fahrt heute, hatte ich subjektiv das Gefühl, dass ich langsamer voran komme als sonst, was aber wohl nicht nur mit den mittlerweile häufiger und höher werdenden Bergen zu tun hat. Selbst objektiv war meine Durchschnittsgeschwindigkeit heute einige km/h niedriger als bisher. Komisch, dass sich das Rad so langsam anfühlt, aber es gab keine merkwürdigen Geräusche, die Schaltung funktionierte auch gut. Muss ich mir also irgendwie einbilden… habe wohl müde Beine nach den letzten beiden langen Etappen… dachte ich. Aber irgendwas war doch komisch. Ich bemerkte nämlich zunächst, dass die Kippgefahr in schnellen Linkskurven scheinbar höher war als sonst. Gut, normalerweise liegt das Trike ja auf der Straße wie ein Brett, wenn man’s nicht zu sehr übertreibt bzw. sich gut in die Kurven reinlehnt. Mit meiner vollen Beladung ist der Schwerpunkt deutlich höher und ich weiß, dass die Kippneigung in Kurven und bei schrägem Untergrund damit deutlich größer ist als normal. Daher fahre ich auf der Tour viele Stellen deutlich defensiver und langsamer als im Alltag mit wenig und niedriger Beladung. Es schien aber mit der Zeit schlimmer zu werden. Als ich mal anhielt, um nach dem Rechten zu schauen stand das Trike am Straßenrand, der minimal nach rechts abschüssig war, und sobald ich den Sitz verließ, fing das Trike von selbst an auf die rechte Seite zu kippen! Ich konnte es so gerade noch festhalten. Hallo? Das macht es doch sonst nicht!? Also habe ich die Ladung überprüft. Naja, ok, die Sachen scheinen schon leicht nach rechts verrutscht und rechts ist auch der schwerere Beutel mit dem Zelt usw., aber eigentlich dürfte das nichts ausmachen. Ging ja bisher auch. Wieder aufgestiegen, weitergefahren… aber bald wieder angehalten und nochmal geschaut. Ja, es hängt schon irgendwie alles nach rechts. Hmm, vielleicht doch zu ungleich beladen? Komisch, aber wer weiß. Ich habe mich dann dazu durchgerungen, die obere Schicht mit den Beuteln und dem Fahrradrucksack nochmal neu zu positionieren. Also, Spanngurte lösen, oben alles ab und in neuer Reihenfolge, d.h. mit mehr Gewicht auf der linken Seite, wieder drauf. Puh. Dann weitergefahren, aber gemerkt, dass es nicht wirklich besser geworden ist. Schließlich noch ein paar Dinge von der rechten auf die linke Seite umgeräumt, um die rechte Seite weiter zu entlasten… aber es half alles nichts. Mein eigentliches Tagesziel, an das ich mal so grob gedacht hatte, war längst aufgrund der langsamen Fahrt und der vielen Extrapausen zum Checken und Umbauen in weite Ferne gerückt. Daher habe ich beschlossen, bereits den nächsten Campingplatz in Rotenburg an der Fulda – NICHT verwechseln mit Rothenburg ob der Tauber – anzusteuern. Ein Schild verriet bald, dass es noch knapp 10 Kilometer seien. Normalerweise sind 10 Kilometer für mich nicht besonders viel, aber mit einem solchen Rad können auch 10 Kilometer ganz schön lang werden. Und es wurde immer schlimmer: Geteerte Feldwege sind oft nicht ganz flach, sondern in der Mitte etwas höher und zum Rand hin leicht abfallend. Aufgrund meiner Schräglage, was es noch ganz OK, in der Mitte zu fahren, besser noch auf der linken Seite, damit die hängende Radseite auf dem etwas höheren Mittelteil des Weges fährt, aber das geht natürlich nur, wenn kein Gegenverkehr kommt. Bei Gegenverkehr musste ich mit dem ohnehin schon nach rechts hängenden Rad auch noch auf die leicht nach rechts abfallende Wegseite. Das wurde so schlimm, dass dann das Hinterrad hörbar stärker radierte und ich mich auf dem Sitz extraweit nach links auf die Kante setzen musste, was auf Dauer nicht so angenehm ist. 5 km vor Rotenburg – es wurde immer schlimmer – beschloss ich, nochmal zu halten und mal genau zu schauen, ob nicht vielleicht irgendwas am Rahmen gebrochen oder verbogen war. Da glaubte ich zwar nicht wirklich dran, da der Rahmen eigentlich sehr stabil gebaut ist, aber es konnte einfach nicht mehr nur an ungleicher Beladung liegen. Aufgrund des ganzen Gepäcks hat man keinen guten Einblick, aber als ich mich dann mal hinter mein Rad gelegt habe, sah ich sofort das Problem. Nichts gebrochen, nichts verbogen… sondern verdreht! Dazu muss man wissen, dass das Wild One von Steintrike bzw. Bike Revolution quasi aus zwei Teilen besteht. Das Vorderteil mit den Radaufhängungen rechts und links, dem Kurbelmast etc. und das Hinterteil mit der Hinterradgabel und dem Gepäckträger. Die Basis der beiden Teile sind Metallrohre, die ineinander gesteckt und mit zwei Schrauben verschraubt bzw. durch Zusammenziehen des äußeren Rohres verklemmt werden. Genau um diese Achse hatte sich jetzt das Hinterteil nach rechts verdreht. Vermutlich erst nur ein bisschen und dann nach und nach immer mehr. Klar, wenn einmal ein klein wenig Schrägstand da ist, machen die Gepäcklast und sonstige Belastungen beim Fahren das übrige. Also blieb mir nicht anderes übrig, als alles Gepäck abzuladen, die Packtasche, in der das Werkzeug ist, auszuräumen, denn das schwere Werkzeug ist natürlich ganz unten in der Tasche. Für kleinere Malheurs habe ich Ersatzschlauch, Flickzeug, Pumpe etc. und ein Multitool im direkten Zugriff im Fahrradrucksack, der leicht zugänglich oben drauf befestigt ist, aber hier brauchte ich einen recht dicken Inbus-Schlüssel, den ich nicht immer griffbereit haben muss. Nachdem das ganze Gepäck weg war, sah man die Bescherung auch endlich richtig deutlich; siehe Foto unten. Nun, dann also Fahrrad auf die Seite gelegt, die beiden Schrauben gelöst, Rad zurückdrehen und alles richten und zuletzt die Schrauben wieder – so fest wie möglich – anziehen. Natürlich zum wiederholten Male Gepäck draufpacken, Gurte spannen usw. – Die letzten 5 km nach Rotenburg an der Fulda, liefen dann endlich wieder ganz wunderbar. SO macht Trikefahren wieder Spaß. Aber die 40 km davor waren echt schlimm. Ich frage mich natürlich, warum ich das Problem nicht früher erkannt habe. Nun, erstens hatte ich das Problem zuvor noch nie. Zweitens lief das Rad ja mit gleicher Beladung am Vortag noch perfekt, denn sonst wären die 132 km nicht möglich gewesen. Drittens konnte man den Schiefstand durch das viele Gepäck darüber und daneben nicht so leicht erkennen. Viertens sind mir keine merkwürdigen Geräusche aufgefallen. Weder das Verdrehen der Rahmenrohre noch die wegen des schiefen Hinterrades sicher auch leicht verdrehte Kettenführung, die zum schwereren Treten beigetragen haben könnte, haben besondere Geräusche gemacht. Jedenfalls keine, die mir aufgefallen sind. Naja, egal, jetzt weiß ich was es war. Die Frage ist noch, warum es passiert ist, wenn’s vorher so lange gut gegangen ist. Da bin ich mir nicht ganz sicher, aber ich erinnere mich, dass ich mich heute Morgen beim Zusammenpacken – entgegen meiner sonstigen Gewohnheit – einmal leicht auf den Gepäckträger gesetzt habe. Nicht mal mit vollem Körpergewicht, aber vielleicht ist dabei schon was passiert? Ansonsten könnte ich mir noch vorstellen, dass die besonders rasante, da steile und leicht kurvige Abfahrt relativ früh heute Vormittag, auf der ich ohne Treten über 60 km/h erreicht habe, vielleicht bei der schweren Beladung des Guten etwas zu viel war? Wer weiß… – Ich gehe jedenfalls davon aus, dass ein minimaler, anfänglicher Schrägstand schon ausgereicht hat und die Gepäcklast in Verbindung mit Kurvenfahrten es dann nach und nach verschlimmert hat.

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Wetter: Leider wieder etwas Morgentau auf Wiese und Zelt heute Morgen, aber dann war den ganzen Tag Sonne pur. Insofern war heute die komplette Strecke ein

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Leider gab’s relativ wenige schattige Abschnitte und an Steigungen machte mir vor allem der fehlende Fahrtwind zu schaffen, aber ich fahre lieber in der Sonne (und schwitze und trinke entsprechend viel) als bei Regen. Insofern ist gerade alles super mit dem Wetter. Zum Glück soll es wohl auch noch eine Weile so weitergehen. Das wäre prima. 🙂

Der Rest des Tages in Kurzfassung, da eigentlich wie immer:
Abendessen kaufen, Campingplatz aufsuchen, Zelt aufbauen, Essen kochen, Essen, Abspülen, Duschen (inklusive!), Bloggen, Schlafen. (Hoffentlich, denn die Bahn ist recht nah und es fahren viele Güterzüge. Hoffentlich nachts keine oder zumindest deutlich weniger. – Nachtrag: Alles OK, ich konnte gut schlafen und habe nachts, vielleicht auch Dank der Ohrstöpsel und meiner Müdigkeit, keine Güterzüge mehr gehört.) – Insgesamt einer der günstigsten, aber dennoch sehr schönen, gut gepflegten und freundlich geführten Campingplätze. Dies war übrigens der einzige Campingplatz auf der ganzen Reise, der auf der Preisliste offiziell “Strom für ein Zelt” aufgeführt hat, was aber mit 60 Cent sehr günstig war. So war die Übernachtung trotz der Stromkosten immer noch günstiger als die meisten anderen Campingplätze, wo ich den Strom gratis bekommen habe. => Empfehlenswert!

Und wie üblich noch der Track:

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Mittwoch, 07.09.2016:

Der Wecker ging mal wieder um 7 Uhr. Bisher hatte ich ohne Zeltabbauen morgens ja immer 2 Stunden gebraucht, bis ich endlich abfahrbereit war; mit Zelt sogar noch eine halbe Stunde länger. Heute jedoch war ich sogar mit Zelt zusammenpacken (wie üblich feucht vom Morgentau) in 2 Stunden – also “schon” um 9 Uhr – fertig. Rekord. Da geht noch was… 😉

p1000412Bis ich dann wirklich losgefahren bin, war es dann aber doch wieder fast 9:30 Uhr, da die Norwegerin (sie möge mir verzeihen, dass ich den Namen nicht behalten habe; der war zu lang/kompliziert für mich) und ich bei der Verabschiedung noch in die ein oder andere Fachsimpelei über Zelte, Reiseziele, Verzögerungen durch Wäsche und Radreisen im Allgemeinen verfallen sind. Mein Problem von gestern, dass die Wäsche erst trocken wird, wenn die Sonne mittags hoch am Himmel steht, und man dann halt einfach nur warten kann, obwohl man vielleicht sogar schon (fast) alles fertig gepackt hat und losfahren möchte, kennt sie ebenfalls. Ist halt so, geht auf solchen Reisen nicht anders. Dann muss man halt mal einen Kurztag wegen der Wäsche einlegen. Zum Thema Kochen: Sie hat übrigens das gleiche Trangia-Kocherset wie ich. 🙂 Der Trangia-Kocher bzw. das Set ist einfach praktisch! Beim nächsten Mal könnte ich aber evtl. etwas optimieren, denn bisher habe ich immer nur einen der beiden Töpfe gebraucht und den Wasserkocher noch gar nicht, da ich ja keinen Kaffee trinke und es mir für Tee – zum Glück – nicht kalt genug ist. Nun ja, es waren jedenfalls interessante Gespräche.

Praktischerweise gibt es in Stolzenau – direkt um die Ecke beim Campingplatz – einen Bäcker, wo ich mich mit zwei belegten Brötchen, einem Teilchen und einer kalten Cola für den Tag eingedeckt habe. Super.

Die dazugehörige Frühstückspause auf einem schönen, schattigen Rastplatz direkt am Weserradweg gab es aber erst nach einer Stunde, gegen 10:30 Uhr. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen! Ein paar Kilometer müssen schon sein, damit sich der Appetit richtig entwickeln kann. 😉

Anschließend ging es dann weiter auf Petershagen zu. Dieser Streckenabschnitt hat mir sehr gut gefallen, weil man auf einer Art Fahrradautobahn fuhr. Zwar war sie leider nicht allzu breit, aber geteert, über mehrere Kilometer fast kerzengerade, also ohne die sonst oft üblichen Zickzack-Wege, und noch dazu komplett von Bäumen und/oder Büschen gesäumt, so dass man fast immer im Schatten fuhr, was ich einem sonnigen Tag wie heute sehr zu schätzen wusste. Hier das Bild dazu:

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Übrigens sieht man unterwegs eine Menge lustige Dinge. Ich habe mittlerweile schon eine ganze Reihe schöner, interessanter oder einfach lustiger Schilder, d.h. vor allem Autokennzeichen und Straßenschilder gesammelt und bin immer aufmerksam auf diese Kuriositäten am Straßenrand. Daraus muss ich später – vermutlich am Ende der Tour – mal einen eigenen Blog-Eintrag mit den Highlights machen. Hier aber schon mal mein heutiges Highlight: Ein Trakor komplett aus Strohballen; mit Fahrerin. Tolle Idee und Umsetzung.

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Kurz vor Minden macht die Weser mal wieder eine ihrer Schlaufen, aber die Berufsschifffahrt fährt geradeaus eine Abkürzung durch eine Schleuse. Leider wird die “Weserschleuse Minden” z. Zt. neu gebaut – laut Bauschild von 2010 bis 2015 – aber es waren auch jetzt (im Jahr 2016) leider immer noch Bauarbeiten im Gange und es war die Umleitung U5 für Fahrräder ausgeschildert, da man wohl den Weserkanal aktuell nicht wie üblich über die Schleuse überqueren kann. Der Umweg war aber zum Glück nicht allzu groß. Statt über die Schleusenanlage musste man eben über die nächste Brücke fahren und wieder etwas zurück. Als ich die Schleuse bereits umfahren und schon wieder auf dem richtigen Track fuhr, führte ein weiterer U5-Wegweiser wieder von der Route ab, aber da bin ich dann auf meiner Route, also dem D9 bzw. Weserradweg, geblieben und wieder zur Weser gefahren, was auch richtig war. Keine Ahnung, warum sie da noch ein Umleitungsschild hängen haben.

Ich hatte mittlerweile Minden erreicht, es war knapp 13 Uhr, und nach 37 gefahrenen Kilometern lud eine Bank im Schatten mit Weserblick zur Pause und zum Vertilgen des zweiten Brötchens sowie dem Rest Cola ein. 🙂

Als es dann weiterging, sah man nicht nur die Mittelgebirgsschwelle – eine lange Mittelgebirgskette – die sich fast wie aus dem Nichts erhebt -, sondern  auch schon den Weserdurchbruch bei Porta Westfalica mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal rechts am Berg.

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Leider steht da aktuell noch ein Kran daneben, da das ganze Denkmal renoviert und einige Nebenanlagen wieder neu aufgebaut werden sollen, die im Krieg bzw. kurz danach durch Sprengungen der darunter liegenden Stollen durch die Alliierten zerstört wurden.

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Es war übrigens ein sehr erhebendes Gefühl, endlich den Weserdruchbruch bei Porta Westfalica zu durchfahren, denn damit habe ich die norddeutsche Tiefebene hinter mir gelassen und – tadaaaa! – mich hat sogar (kurzzeitig) das Land Nordrhein-Westfalen wieder. Ist zwar “nur” Westfalen hier und nicht das Rheinland, aber immerhin NRW. 😉 Sorry, liebe Westfalen, das musste ich als Rheinländer (genauer: Niederrheiner) sagen, aber schön habt ihr’s hier ja doch.

Wiederum etwas später, um 15:38 Uhr, hätte ich eigentlich einen Schnaps gebraucht, denn ich bin laut Garmin-GPS seit Tourbeginn genau 444,4 km gefahren. Leider hatte ich weder Schnaps (egal, den mag ich eh nicht), aber leider nicht mal ein Radler dabei, da ich bisher an keiner Tankstelle vorbeigekommen war. In Tankstellen bekommt man übrigens am besten gekühlte Getränke; da i.d.R. die Auswahl gut ist und man die Sachen schnell findet; anders als in Supermärkten, wo man lange suchen muss und dann doch nicht immer das gewünschte Getränk gekühlt zu haben ist. Nun ja, zur Feier der 444,4 km habe ich dann halt die Rosinenschnecke gegessen. – Das mit dem Radler habe ich dann etwas später in Vlotho nachgeholt, weil dort endlich mal wieder eine Tankstelle auf der Weserradwegroute lag.

Übrigens, entgegen anderslautenden Gerüchten stille ich meinen Hauptflüssigkeitsbedarf nicht mit Radler, sondern mit Leitungswasser, das ich aus einer 3-Liter-Trinkblase von Source trinke. Das Trinken geht damit – auch während der Fahrt – sehr einfach durch einen Schlauch mit Ventil im Mundstück. Die Trinkblase steckt in einer speziellen Tasche, welche einerseits isoliert und so dafür sorgt, dass das Wasser trotz Sonne nicht bald kochend heiß wird, und andererseits viele Ösen zur Befestigung hat. (An dieser Stelle schönen Dank an den lieben Kollegen, von dem ich den Tipp habe! – Er wird wissen, dass er gemeint ist.) An zwei der Ösen (oben rechts und links) habe ich Karabier gemacht, welche in den Gepäckträger und die Fahrradtasche eingehängt werden, so dass die Trinktaschen senkrecht rechts und links neben dem Sitz hängen. Ich habe nämlich festgestellt, dass es schwierig bis unmöglich ist, die Trinkblasen leer zu trinken, wenn sie liegen. Hängend geht das jedoch wunderbar. – Aber zurück zu den anderen Getränken: Die Cola am Morgen und das Radler am (Nach-)Mittag sind nur eine zusätzliche Flüssigkeitsquelle, weil’s eben lecker schmeckt und ein bisschen Extra-Energie liefert. So trinke ich dann je nach Witterung tagsüber schon 3 – 4 Liter (davon 2 – 3 Liter Wasser) und abends dann mindestens einen weiteren Liter (ein zweites Radler und viel Wasser).

Schlusspunkt der heutigen Etappe ist der Campingplatz Doktorsee in Rinteln. Das ist ein riesiges Gelände, wo man außer Zelten und Campen wohl auch Häuschen mieten kann. Eigentlich nicht schlecht, aber leider bisher der teuerste Campingplatz Bisher kostete mich das Zelten zwischen 7 und 10 €, wobei unbegrenzt Duschen inklusive war. Hier kostet es 11,70 € und Duschen extra (20 Ct. für 1 Min., 50 Ct. für 3 Minuten). Also hat mich die Übernachtung insgesamt 12,20 € gekostet, weil die allabendliche Dusche unbedingt sein muss. Naja, grundsätzlich geht auch das preislich noch, aber ich bin halt bisher von den schönen, eher kleineren und günstigen Campingplätzen verwöhnt. An einige Stellen der Ostsee verlangen sie aber wohl auch locker mal das Doppelte. Wahnsinn.

Mein Touren-Gesamtkilometerstand beträgt jetzt 462,4 km, was ungefähr ein Drittel der geplanten Strecke von 1.350 km ist. Kann natürlich sein, das wegen Umwegen durch Sperrungen oder zwecks Übernachtung noch was dazukommt, aber ich denke, man kann trotzdem sagen, dass ich jetzt ein Drittel geschafft habe! Heute Meilensteine über Meilensteine. Ich bin happy und mir geht’s gut. Mit der Zeit kriegt man einen gewissen “Flow”… weil sich die Abläufe besser einspielen und nicht mehr alles so neu ist. Ich hatte vorher z. B. keinerlei Campingplatz-Erfahrung, aber das geht alles recht problemlos.

Knie: Alles wie gehabt. Ich werde da jetzt nichts mehr zu schreiben, außer es würde sich deutlich verschlechtern.

Und hier noch der obligatorische GPS-Track der heutigen Strecke. (Hmm, irgendwie scheinen die Höheninfos abhanden gekommen zu sein, denn sooo flach, dass alles genau die gleiche Farbe hat, war es dann doch nicht.)

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Auf der Karte sieht man auch gut in grün die Gebirgskette, welche nur bei Porta Westfalica kurz unterbrochen ist.

Dienstag, 06.09.2016:

Wie? Nicht mal ganz 33 km? Schwächelt der jetzt schon?

Nein, natürlich nicht, aber den Grund seht Ihr auf dem folgenden Bild vom direkt an der Weser gelegenen Campingplatz in Drakenburg.

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In der Mitte mein Zelt auf der ansonsten leeren Zeltwiese. Überhaupt scheint dort auf dem Campingplatz – zumindest werktags – nicht so besonders viel los zu sein. Vielleicht liegt’s daran, dass er zu einem Wassersportverein gehört und in dem Sinne kein ganz normaler Campingplatz ist? Aber mich hat die Ruhe nicht gestört; im Gegenteil! Rechts seht Ihr zwischen den Bäumen die Weser; das Weiße gehört zu einem Boot, das dort am Steg festgemacht war. Mein Zelt stand höchstens 5 Meter von der Weser entfernt. 🙂 Der Grund für die wenigen Kilometer ist aber der Wäscheständer dazwischen. Ich hatte gestern immer noch die nassen/klammen Klamotten vom Regentag vorgestern dabei, weil die in Zeven nicht über Nacht im Zelt getrocknet sind, obwohl ich sie mit praktischen Reisefaltbügeln aufgehangen hatte. Außerdem hatte ich auf dem Campingplatz abends noch ein paar Sachen in die Waschmaschine geschmissen. Leider sind die Sachen in der Abendsonne nicht schnell genug getrocknet und dann stieg auch schon bald Nebel auf und machte alles eher wieder feuchter als trockener. Die Außenzelte waren natürlich auch noch sehr nass. Um nun alles mal richtig trocken werden zu lassen, habe ich beschlossen, der Wäsche und dem Zelt so lange die schöne Morgensonne zu gönnen, bis alles trocken ist.

In der Zwischenzeit habe ich dann noch den gestrigen Blogeintrag hochgeladen. Der war zwar abends noch fertig geworden, aber die Internet-Verbindung vom Notebook aus über das Handy hatte irgendwie nicht mehr funktioniert. Morgens ging es dann wieder. Dann habe ich mich noch etwas ausgeruht, ein paar Kekse gefrühstückt (mehr gab der Fundus nicht mehr her) und dann irgendwann mal so langsam alles eingepackt, als die Sachen versprachen, bald trocken zu sein. Losgekommen bin ich daher heute erst gegen 13:30 Uhr.

Vorteil des späten Losfahrens: Alles konnte schön in der Sonne trocknen. Der Nachteil ist aber, dass das Zusammenpacken bei höheren Temperaturen in der Sonne schweißtreibender ist als am frühen, kühlen Morgen. Wenn möglich, bevorzuge ich daher die frühere Abreise. 😉

Dann suchte ich in Nienburg erst mal eine Bäckerei, fand aber als erstes eine Tankstelle. Ich dachte mir, dass ich da wenigstens schon mal kühle Getränke (Cola und ein Radler für später) bekommen würde (war auch so), aber die belegten Minibaguettes sahen auch gut aus, so dass ich auch diese mitnahm und eines davon auf einem schattigen Plätzchen neben der Tankstelle um 14 Uhr verspeiste, als Frühst… äh, Mittagessen. Beim Losfahren sah ich dann, dass direkt dahinter zwei Bäckereien waren, aber da hätte ich vermutlich kein Radler bekommen und außerdem waren die beiden Tankstellen-Baguettes überraschend gut.

Auf dem Weserradweg gibt es immer mal wieder diese – siehe Foto – schönen, recht neuen Rasthäuschen, die bei Sonne – so wie heute – Schatten spenden und auch bei Regen zu einer Rast einladen. Echt super für Radwanderer. Hier habe ich gegen 16 Uhr das zweite Minibaguette und den Rest der Cola vertilgt.

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Durch die Rast war ich eigentlich gut gestärkt für einige weitere Kilometer, aber obwohl ich heute Morgen… äh, Mittag… na gut, Nachmittag… erst spät losgekommen bin, wollte ich dennoch heute mal früher Schluss machen, damit sich der ganze Rhythmus aus Fertigmachen, Losfahren, Zelt aufbauen, Duschen, Essen, und Bloggen sich etwas nach vorne verschiebt, denn es wurde die letzten Abende manchmal doch recht spät, was für einen frühen Aufbruch nicht gerade hilfreich ist.

Daher habe bereits um kurz nach 17 Uhr den Campingplatz in Stolzenau angesteuert, der ebenfalls direkt an der Weser liegt. Der nächste Campingplatz auf meiner Liste wäre in Petershagen gewesen, aber dafür hätte ich noch fast 2 Stunden fahren müssen. 19 Uhr auf dem Campingplatz war mir dann aber zu spät, da es mittlerweile doch recht früh dunkel wird.

Die letzten Tage gab es immer Nudeln mit Würstchen in verschiedenen Variationen, weil ich die Sachen hatte und insbes. die Würstchen sich ja auch nicht ewig halten. Heute jedoch habe ich mir ein paar Kartoffeln gekauft und dazu fertige Bolognese-Sauce. Klingt jetzt ungewöhnlich, ist es wahrscheinlich auch, aber nach 3 Tagen Nudeln wollte ich mal was anderes und lecker war’s auf jeden Fall. Ich koche immer auf meinem schwedischen Trangia-Brennspiritus-Kocher. Das geht wirklich prima. Das folgende Foto zeigt mich beim Kartoffelschneiden, während das Wasser schon mal heiß wird. Damit’s schneller geht, steht die Pfanne als Deckel auf dem Topf drauf. Das silberne ist der Windschutz. – Mein Zelt ist übrigens hinten rechts vor dem Weg, aber ganz knapp nicht mehr zu sehen. Das einzige, was man davon sieht ist ein kleines gelbes Fähnchen von einer der Abspannschnüre, damit niemand drüber stolpert.

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Das Foto hat übrigens eine Norwegerin gemacht, die ebenfalls mit dem Rad unterwegs ist und dort ihr Zelt aufgeschlagen hat. Sie fährt allerdings ein normales Zweirad, dafür mit einrädrigem Anhänger, hat also insgesamt auch drei Räder. Wir haben uns auf Englisch unterhalten und sie erzählte dann, dass sie die ganze Strecke von Norwegen bis hier gefahren ist und weiterfahren möchte bis nach Spanien und Portugal und dann wohl noch nach Italien. Dafür hat sie sich ein Jahr Zeit genommen. Außerdem erzählte sie, dass sie, als ihr Sohn 13 Jahre alt war, ihm versprochen hat, mit ihm ins Disneyland nach Paris zu gehen, wenn – ja wenn(!) – sie dahin mit dem Rad fahren. Und das haben sie dann wohl auch tatsächlich so gemacht; mit täglichen Etappen von ca. 100 km. Tolle Leistung, schon für einen Erwachsenen, aber erst recht für einen 13-Jährigen. Wow.

Bisher ist es mir immer gelungen Strom ins Zelt legen zu können, so dass ich abends problemlos bloggen und alle meine Akkus (Garmin GPS sowie Fahrradlampen vorne und hinten) und das Handy aufladen konnte. Notfalls käme ich aber auch mal eine Nacht ohne Strom aus, weil das Notebook (Surface 3 Pro) ganz gut durchhält, ich einige vollgeladene Ersatzakkus sowie eine 5000 mAh PowerBank (Sanyo Mobile Booster) für das Handy dabei habe. Mein “Arbeitszimmer” zum Bloggen sieht dann allabendlich so aus:

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Ich sitze dabei übrigens auf meiner Isomatte, einer Thermarest Trail Pro in Größe L, auf der ich auch immer sehr gut schlafe. Da ich selbst 1,80 m groß bin, wäre die normale Größe (“regular”) mit einer Länge von 183 cm etwas knapp. Daher habe ich mich für die 196 cm lange und 63 cm breite “Large”-Variante mit 5 cm Dicke entschieden, was ich nicht bereut habe. Der blaue Schlafsack im Hintergrund ist ein Frilufts Leera Comfort; ebenfalls in Größe L, d.h. für Körpergrößen von 175 – 190 cm. Es handelt sich dabei um einen Kunstfasterschlafsack. Daune wäre zwar kleiner und leichter gewesen, aber da ich recht leicht schwitze und Kunstfaser schneller trocknet, habe ich mich gegen Daune entschieden. Zum Schlafen wird das ganze noch abgerundet durch ein praktisches, aber bequemes, aufblasbares Kissen (Sea To Summit Aeros Ultralight Pillow), welches gut in das Kopfteil des Schlafsacks passt und so nachts nicht wegrutscht. Super. Schlafprobleme habe ich im Zelt im Prinzip keine, da es wirklich sehr bequem ist, aber dennoch bin ich nachts schon öfter aufgewacht als im heimischen Bett; allerdings auch immer schnell wieder eingeschlafen.

Und hier noch der obligatorische GPS-Track der heutigen Strecke. Die Farben des Tracks zeigen wieder die relativen Höhen: Blau für tief und je heller das grün, desto höher.

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Last, but not least: Das linke Knie hat sich zwar anfangs wieder gemeldet, aber nicht allzu schlimm, da es über den Tag ja eher besser wird.

Sonntag, 04.09.2016:

Da es gestern Abend recht spät wurde, habe ich mir gegönnt, den Wecker auf 8 Uhr zu stellen. Aufgewacht bin ich sogar schon um 7:55 Uhr. Am liebsten hätte ich mich zwar wieder umgedreht und weitergeschlafen, aber es sollte ja mit der Tour weitergehen. Es hatte fast die ganze Nacht geregnet und auch am Morgen noch gelegentlich.

Ich hatte gehofft, am Tag 2 schneller zu sein mit Packen, Beladen usw… und das war ich auch, aber nur wenige Minuten, so dass ich doch erst wieder knapp 2 Stunden nach dem Wecker losfuhr. Diesmal also sogar erst um 10 Uhr, dennoch war ich vorsichtig optimistisch, die 100 km bis zum Campingplatz in Zeven zu schaffen und nicht erst wieder nach 20 Uhr anzukommen. Vorher hatte ich eh keine Unterkunft auf meiner Liste.

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Abfahrbereit vor dem Campingwagen am Fährhaus Hodorf.

Von Hodorf ging es zunächst nach Glücksstadt, wo ich mir zwei belegte Brötchen und – wie gestern schon – eine kleine 0,5 l Flasche Cola geholt habe. Das eine Brötchen habe ich auf der Fähre gegessen, um die Zeit sinnvoll zu nutzen. Von der Zeit her war das allerdings eher ein Mittagessen statt ein Frühstück… also, ich hatte quasi ein Frikadellenbrötchen zum Brunch. 😉

Das andere Brötchen ist für später gedacht, weil – wie schon gestern – zu befürchten war, dass es unterwegs keine/kaum Orte gibt, die groß genug sind, um einen Bäcker zu haben, der noch dazu am Sonntag auf hat. Tankstellen sind auf dem Land scheinbar auch eher rar gesät. Und so war es dann auch. Daher war ich froh, ca. 2,5 Stunden später eine Rast in einem Bushäuschen zu machen und das Käsebrötchen zu essen. Weitere 2 Stunden später fand ich in Bremervörde eine Tankstelle und füllte die Energievorräte mit einem großen Twix und einem Radler wieder auf, um für die heutige Schlussetappe nach Zeven gerüstet zu sein. Natürlich kam ein zweites Radler fürs Abendessen mit. 🙂 Beim Neukauf von Getränken an den Tankstellen habe ich meist die alten, leeren Flaschen oder Dosen zurückgegeben, um Platz zu schaffen und das Pfand zurück zu erhalten.

Apropos Bushäuschen, kurz hinter Hodorf fand ich das folgende Bushäuschen. Sowas habe ich noch nie gesehen. Gemütlicher geht’s wohl kaum! p1000250

p1000257Die Fahrt mit der Elbfähre war prima. Es gab in Glückstadt eine lange Schlange mit Autos, die darauf warteten übersetzen zu können. Ich musste mich jedoch nicht hinten anstellen, sondern konnte auf dem Fuß- und Radweg bis ganz nach vorne vorfahren. Als ich ankam, war auch schon eine Fähre dabei anzulegen. Nachdem alle Fahrzeuge die Fähre verlassen hatten, konnte ich mit meinem Rad als erstes die Fähre entern.

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Stefan auf der Elbfähre

Auf der Fähre gab es – neben dem schon erwähnten Brötchen – auch ein nettes Gespräch mit zwei älteren Herren, die wohl öfters Touren zusammen unternehmen. Diesmal zwar nur eine kurze 2-Tagestour, aber den Weserradweg kannten sie wohl auch schon. Nach der Überfahrt durfte ich wiederum die Fähre als erster verlassen. 🙂

Thema Steigungen: Gestern hat mich das ständige Auf und Ab, ja noch kräftig geärgert. Heute waren die ersten ca. 50 Kilometer fast topfeben. Die zweiten 50 km hatten zwar ein paar Steigungen und Gefälle mit drin, aber wesentlich weniger als gestern. Sehr angenehm. Auch das trug zur guten Laune bei.

Heute bin ich den ganzen Tag nur in Regenklamotten gefahren, und es hat auch immer mal wieder kurze Schauer gegeben… aber auch sonnige Abschnitte, die allerdings in den Regenklamotten eher unangenehm waren. Regensachen ausziehen war aber auch keine Option, da die nächsten dunklen Wolken nie weit waren. Die Regensachen haben sich auch super bewährt, denn bei den diversen “normalen” Schauern ist kein Regen in die Kleidung eingedrungen. – Der Härtetest in Sachen Regen für meine Ausrüstung begann dann sehr plötzlich gegen 17:15 Uhr zwischen Bremervörde und Zeven. Da hat mich eine Starkregengewitterfront erwischt, bei der es wie aus Kübeln goss, allerdings kam der Regen selten von oben, sondern meist von rechts horizontal angerauscht. Zu dem Zeitpunkt fuhr ich gerade auf dem Radweg neben der B71 und es ging eben (oder sogar leicht bergab) immer nur geradeaus, so dass ich trotz schlechter Sicht durch den Starkregen mit vollem Tempo weiterfahren konnte. Das Ziel lag ja nur noch eine Stunde entfernt. – Die Regenklamotten kamen dabei dann doch an ihre Grenzen. Alle Taschen haben jedoch perfekt dicht gehalten. Das ist ja das Wichtigste. – Nach dem kräftigen Guss kam übrigens sofort strahlender Sonnenschein raus; genau genommen sogar noch während des ausklingenden Regens, denn es gab einen schönen kompletten Regenbogen.

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Als ich dann gegen 18:30 Uhr endlich auf dem Campingplatz Sonnenkamp in Zeven ankam, war natürlich niemand mehr an der Rezeption (Sonntags nur bis 17:30 besetzt). Kein Problem, denke ich und rufe die angegebene 24-h-Rufnummer an, aber auch nach zwei Versuchen ging dort niemand ran. 🙁 Die einzige Hoffnung war, dass man in dem italienischen Restaurant neben dem Gelände eine Nummer hatte, unter der wirklich noch jemand zu erreichen ist. Die hatte der Inhaber zwar nicht, aber er meinte, ich könne einfach aufs Gelände fahren und mir einen Platz aussuchen. Es gäbe überall Strom und Wasseranschlüsse etc. und die Anmeldung könne ich dann ja morgen früh nachholen, wenn wieder jemand da ist. – Aufgrund des Regens hatte ich ja wieder ein bisschen mit einer festeren Behausung geliebäugelt, aber das ging jetzt natürlich nicht. Also habe ich in einer trockenen Phase mein Zelt aufgebaut. Zum Glück habe ich auch den Zeltanbau als Fahrradgarage mit, denn als ich gerade alles aufgebaut hatte, fing es wieder an zu regnen. Also habe ich nur noch schnell das noch bepackte Rad ins Zelt geschoben und konnte dann in Ruhe alles im Trockenen auspacken und mir dort – neben meinem Rad – nach dem Duschen auch mit dem Trangia ein Abendessen kochen. Sehr praktisch. – Das einzig unangenehme waren nur die vielen Schnaken, also diese harmlosen, aber lästigen, langbeinigen, fliegenden Viecher, die sich scharenweise um meine kleine Deckentaschenlampe bzw. später dann um den ausbrennenden Trangia versammelt haben. Den Kontakt mit dem Feuer haben die meisten nicht überlebt. Doofe, lebensmüde Viecher! Im Gegensatz zu meinem Schlafzelt, hat der Anbau nämlich kein Innenzelt zum Schutz vor Insekten, aber praktisch ist er dennoch sehr, da er Platz satt bietet.

Zur Stimmungslage: Die war heute ganztägig prima! 🙂

Ich habe morgens wieder länger gebraucht als gehofft und bin erst spät losgefahren, aber ich fand es nicht schlimm. Es hat immer wieder geregnet, aber ich fand es nicht schlimm. Ich bin wieder spontan von der vorher geplanten Route abgewichen, aber es war nicht schlimm. – All die Dinge, die mich gestern noch gestört hätten, waren mir heute egal, denn es gehört dazu und irgendwie wird’s schon klappen.
Und wenn man dem Körper regelmäßig Energienachschub liefert, beschwert er sich auch gar nicht so. 😉

Mit dem heutigen Tag war ich also noch viel zufriedener als gestern und ich habe so langsam das Gefühl, einigermaßen auf der Tour angekommen zu sein. Morgen werde ich schon die Weser erreichen, so dass sogar die spontane Routenumplanerei weitestgehend wegfallen sollte, da ich – entsprechend dem Radweg D9 – für eine ganze Zeit lang einfach immer an der Weser fahren möchte. Entlang der Weser gibt es auch mehr größere Orte und mehr Campingplätze als hier oben im Norden, so dass die Fahrt grundsätzlich entspannter wird, da ich nicht unbedingt eine bestimmte km-Zahl bis zu einem Ziel erreichen muss, sondern wirklich ziemlich frei fahren kann, bis ich keine Lust mehr habe bzw. es Zeit wird für das Nachtlager. – Ursprünglich dachte ich, dass es gerade am ersten Tag kein Problem ist, eine besonders lange Strecke zu fahren, weil man da noch besonders motiviert und fit ist, aber jetzt weiß ich, dass man – zumindest, wenn man (wie ich) noch keine Erfahrung mit solchen Touren hat – es gerade am Anfang etwas ruhiger angeben lassen sollte, da das unbedingte Erreichen-Müssen weit entfernter Ziele Stress verursacht, weil – wie man gestern gesehen hat – gerne mal unvorhergesehene Probleme auftreten.

Und hier noch er GPS-Track der heutigen Strecke. Die Farben des Tracks zeigen wieder die relativen Höhen: Blau für tief und je heller das grün, desto höher.

2016-09-04_Track

Und noch ein Tipp zum Schluss: Wer eine gut zu fahrende Strecke sucht, ist mit der Rad-Navigation von Google Maps nicht immer gut bedient. 🙁 Kurz vor dem Campingplatz hat mich die Google-Rad-Navigation über eine vermeintliche Abkürzung zum Campingplatz gelotst. Kurz war sie vermutlich, aber dafür ging es sandige Feldwege bergauf, schlammige Waldwege bergab usw. Ich glaube, da wäre ich in diesem Fall mit der Auto-Navigation besser gefahren…