D-Tour 2022 – Tag 5 – Bad Laasphe – Stadtallendorf

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Bericht – Do, 19.05.2022

Zunächst mal ein redaktioneller Kommentar:

  • Ich schreibe die Blogtexte normalerweise immer abends am Ende der langen, anstrengenden Tage am Handy. Da kann aufgrund von Müdigkeit und Autokorrektur schon mal einiges an Tippfehlern, grammatikalischen Fehlern drin sein. Daher liest meine liebe Frau zu Hause morgens drüber und korrigiert so viele Fehler wie möglich. (Danke, Tina!)(Tina: Bitte, Stefan! 😉 ) Das sollte i.d.R. bis spätestens 8 Uhr morgens abgeschlossen sein (zumindest an Werktagen), so dass ihr am besten nicht allzu früh lest… es sei denn ihr steht auf Texte mit Fehlern. 😉

Wie ihr gemerkt habt, war ich gestern ziemlich euphorisiert, was sich auch im langen Blogartikel niedergeschlagen hat, weil Gefühle gar nicht so einfach in wenige Worte zu packen sind. Leider wurde es dadurch sehr spät. Habe letzlich erst kurz vor 3 Uhr geschlafen. Um mir nach dem gestrigen Erfolg auch mal was zu gönnen, habe ich dafür den Wecker spät gestellt und bin erst um 9:15 Uhr langsam aufgewacht. Übrigens war die letzte Nacht zwar immer noch nicht so gut wie im heimischen Bett, aber ich wache mittlerweile nachts seltener auf. Scheinbar gewöhne ich mich so langsam auch wieder ans Schlafen im Zelt. Braucht bei mir immer ein paar Tage… wie auch das Umschalten von Arbeitsstress auf Urlaub. – Es fühlte sich übrigens am Anfang der Tour, die ich ja zuhause gestartet habe, komisch an, noch in der Nähe von zu Hause zu sein, aber doch nicht dorthin zurückzufahren, wo die Familie wartet, wie es bei Tagestouren immer der Fall war. Ich dachte, dass der Start von zuhause leichter wäre. War er auch, aber die Gedanken, einfach umzukehren und mir zuhause eine schöne Zeit zu machen, habe ich unterschätzt. Das wurde erst besser, als ich soweit von zu Hause weg war, dass ich definitiv nicht mehr an einem Tag hätte zurückfahren können. Das war erst im Laufe des dritten Tages der Fall, weil Bonn oder Siegburg ohne Umwege über Dreiländereck und neue Eifel durchaus in einem Tag machbar wären. Jetzt bin ich schon fast – noch nicht ganz, aber fast – mitten in Deutschland und es gibt keine Gedanken mehr ans Umkehren. Im Gegenteil, denn das erste große Etappenziel Zittau kommt ja immer näher.

Losgefahren bin ich dann letztlich erst um 12 Uhr, war aber noch im Ort zum Einkaufen, da ich meine Essensvorräte für Abends bzw. Notfälle wieder aufstocken und natürlich beim Bäcker zwei Brötchen und ein Teilchen besorgen wollte. Wie schon auf der Tour 2016 trinke ich hauptsächlich Leitungswasser aus 3-Liter Source Trinkblasen. Durch den praktischen Schlauch kann ich während der Fahrt immer dann trinken, wenn der Mund trocken wird. So verteilt sich die Flüssigkeitsaufnahme optimal, da ich immer zeitnah ausgleiche, was ich gerade ausgeschwitzt habe. So trinke ich recht viel, brauch aber nur selten Pinkelpausen. Zusätzlich gönne ich mir aber bei den drei Essenspausen (Morgens, Mittags, Nachmittags) auch einen Schluck Cola. Auch als schneller Energielieferant. Und abends, beim Zeltaufbau und zum Essen entweder nur Radler oder erst eine Cola und dann ein Radler. Damit die Getränke und auch die belegten Brötchen einigermaßen kühl bleiben, habe ich eine Kühltasche in einer Außentasche links am Gepäckträger. Klappt nicht für den ganzen Tag, aber für ein paar Stunden schon ganz gut. – Ach ja, nach Einkaufen und Essen war es dann schon 13 Uhr, als ich endlich so richtig losgefahren bin. Gut, dass ich jetzt nicht mehr die Sieg rauf-, sondern die Lahn runterfahre! Von der Lahnquelle war ich ja nicht so begeistert, aber der Lahnradweg ist bisher sehr schön. Kaum “unnötige” Steigungen und gut ausgeschildert. Kein Vergleich zur Sieg. Und hier die erste richtige Lahnüberquerung ca. 20 km nach der Quelle.

Apropos ausgeschildert: Seit ich Bad Laasphe verlassen habe, bin ich in Hessen! Zunächst bin ich ja lange in Nordrhein-Westfalen (NRW) gefahren, dann – ohne, dass ich es wusste – sogar mal kurz in Rheinland-Pfalz, und dann wieder NRW. Jetzt bin ich mit Hessen also schon im dritten Bundesland, und Thüringen ist auch nicht mehr sooo weit. Jedenfalls glaube ich, dass es am Bundesland liegt, dass die Ausschilderung hier so gut ist. Das machen die Hessen wesentlich besser als wir in NRW.

Sogar an Umleitungen für Radfahrer wird hier gedacht. Leider selten in NRW. Allerdings muss ich sagen, dass dieses Beispiel hier gar nicht sooo gut ist. Da ich ja gar nicht nach Marburg will, sondern vorher vom Lahnradweg abbiege und auf den D4 weiterfahre und es auf Karte wie ein großer Umweg (ja, wohl 5,1 km) mit zusätzlichen Höhenmetern aussah, habe ich den Hinweis ignoriert und bin die normale, geplante Strecke gefahren. Erst war lange gar nichts, dann eine Baustelle, die nur deshalb nicht passierbar war, weil ein Baufahrzeug im Weg war. Immerhin konnte ich aber einen kleinen, lokalen Umweg nehmen, der mich nur 500 – 1000 m extra gekostet hat. Ok, war nicht die beste Wegstrecke und ging nur gut, weil’s trocken war (bei Regen vermutlich recht matschig), aber ging. Ich hatte irgendwo vor dem Umleitungsschild einen jungen Mann mit vollgepacktem Zweirad kennengelernt, der sich ein Jahr Zeit zum Radfahren genommen hat und jetzt mit langfristigem Ziel Budapest mal hierhin und mal dorthin fährt, Freunde trifft usw. Demnächst soll’s dann nach Bayern gehen. Vermutlich dann an der Donau lang!? Wir haben uns dann wieder getrennt, weil er schneller war, aber später habe ich ihn wiedergetroffen, als er gerade eine Pause machte. Und da erzählte er, dass er der Umleitung gefolgt und dass diese recht heftig gewesen sei. Sehr weit und mächtig bergauf. Gut, dass ich das Risiko eingegangen bin, und mir eine eigene kleine(!) Umleitung gesucht habe. Das OSM-basierte Offline-Kartenmaterial von Locus Maps (Premium) und seine Darstellung ist echt super. Sehr hilfreich für spontane Umplanungen, und auch das Offline-Routing klappt prima. An der Sieg hatte ich den Fall auch schon mal. Die Umleitung hätte nicht viel Spaß gemacht, aber letztlich ging’s doch auf der normalen Strecke. Knapp, aber ging.

An der Lahn gibt’s übrigens auch Kamele… naja, zumindest wenn der Zirkus in der Stadt ist.

Ich wunderte mich erst, was die ganzen Leute da im Vorgarten machen, aber als ich näher kam, sah ich, dass es als nur Puppen sind. Keine Ahnung, was uns der Künstler damit sagen will, aber lustig!

Zwischendurch gab’s auch mal kurz ein nicht so schönes Teilstück, wenn man mehrspurige Fahrzeuge wie z. B. Liegedreirad und/oder Anhänger fährt, aber da der Untergrund trocken recht hart war und es für mich weiterhin flussabwärts ging, reichte sogar die übliche Unterstützungsstufe 1, um da durch zu kommen. War ja auch recht schnell vorbei.

Anfangs war es noch teilweise bewölkt und für den Nachmittag war Regen angekündigt, so dass ich damit gerechnet hatte, am Nachmittag die Regenklamotten überzuziehen. Daher hatte ich mich auch nicht eingecremt. Es wurde aber mit der Zeit immer sonniger und heißer. Von Regen keine Spur. Bisher habe ich immer Teile des Gesichts (insbes. die Nase) und die Füße in den Fahrradsandalen (Socken habe ich nur am ersten Tag angehabt und auch da wurden sie schnell zu warm) eingecremt. Als ich nach 5h auf Fahrt merke, dass Eincremen auch heute wieder nötig gewesen wäre, hatten die Füße schon rote Streifen bekommen. 🙁 Und es war wirklich heiß! Am liebsten wäre ich hier in die Lahn gesprungen, wo sich schon andere Badende versammelt haben, aber ich wollte ja noch ein paar Kilometer zurücklegen.

Kurz danach verließ ich übrigens die Lahn und fuhr dann die Ohm hoch, welche in die Lahn mündet. Ohm ist doch die Einheit für den elektrischen Widerstand. Strom und Wasser: Das passt doch nicht zusammen bzw. ist gefährlich. Bin verwirrt. 😉

Unterwegs habe ich nochmal in die Wetterapp geschaut, weil es hinter mir langsam immer dunkler wurde. Das kenn ich ja schon, dass Unwetter schneller aus Westen kommen, als ich wegfahren kann. Die Wetter-App meinte, dass es hier heute keinen(!) Regen mehr geben würde. Vielleicht war das die Vorhersage für die Wüste, denn hier sah es definitiv nach Regen aus. Also habe ich mir mal den Regen-Radar angeschaut und sah eine sehr lange und breite Regenfront mit Starkregen und/oder Gewittern auf mich zukommen. Es gab sogar auch schon offizielle Unwetterwarnungen! :-O

Das Problem war, dass ich immer noch keine Unterkunft für heute Abend hatte, da es hier weit und breit keine Campingplätze oder Jugendherbergen gibt. Und die Regenfront war so stark und breit, dass ich die nicht einfach irgendwo aussitzen wollte, sondern vorher eine geschützte Unterkunft gefunden habe wollte. Die Idee war, zunächst bei Bauern zu fragen, ob ich vielleicht mein Zelt in einer Scheune oder einen Schuppen aufbauen darf. Mit viel Glück hätte man mir vielleicht sogar noch eine Dusche angeboten, aber für eine Nacht geht’s auch mal ohne. Fahrradakkus aufladen ist heute ausnahmsweise mal nicht so dringend, weil es fast nur leicht bergab ging, ich sparsam war und es ja auch ein paar km weniger als in den letzten Tagen waren. So habe ich heute nur ungefähr einen halben Akku verbraucht. In den ersten Tagen waren es eher an die 1,5 Akkus (ich habe ja 2 Stück). Aufgrund des schnell nahenden Unwetters und Mangel an Bauernhöfen entlang meiner Strecke musste schnell eine andere Lösung her! In Stadtallendorf kam ich bei einer Ferrero-Fabrik mit großem Mitarbeiter-Parkhaus vorbei. Gibt zwar lauschigere Orte, aber wenn dss Unwetter naht, ist man nicht wählerisch. Zwar war genug Platz frei, aber ich wollte mir ja keinen Ärger mit dem Werkschutz o.ä. einhandeln, daher bin ich zur Pförtnerin und habe gefragt, ob ich in Anbetracht des Notfalls für eine Nacht mein Zelt in ihren Parkhaus aufstellen dürfte. Und sie hat natürlich sofort… “nein” gesagt. 🙁 Das ginge aus Sicherheitsgründen nicht. Das würde ihr Chef sicher nicht erlauben. Auch nachdem ich sie genötigt habe, einem Vorgesetzten die Lage zu erklären und um Erlaubnis zu fragen, wenn sie das nicht selbst entscheiden kann, blieb es leider dabei. Schade, Ferrero! Sehr schade! Ich bin ja nicht nur Radreisender, sondern auch Konsument. Was stellen die eigentlich in Stadtallendorf für Produkte her? – Immerhin gab sie noch den Tipp, dass es wohl irgendwo in der Nähe eine Tankstelle mit Überdachungen für LKWs gäbe. Klang aber nicht wirklich überzeugend und ich hatte auch keine Zeit mehr noch lange zu recherchieren, weil es sehr schnell bedrohlich dunkel wurde. Es konnte also jeden Moment losgehen.

Naja, hilft ja alles nix. Also schnell weiter und jeden angesprochen und gefragt, ob jemand eine Idee hat. Dann sah ich den etwas zurückliegenden, überdachten Eingang des Freibades, wo mein Gespann und vermutlich auch mein Zelt hinpassen würden. Gemerkt und weitergefahren. Kurz danach noch eine Gruppe von Leuten gefragt, welche lange (in ihrer Sprache intern) beratschlagt haben und letztlich auch auf die Idee mit der Trucker-Übernachtung kamen, aber da hätte ich es nicht mehr hingeschafft, da jetzt schon der Wind einsetzte. So konnte ich mich gerade noch in den besagten Eingang des Freibads flüchten. Das folgende Foto entstand, während die ersten Tropfen fielen, und Sekunden später ging’s richtig los.

Die Aussicht könnte zwar besser sein, aber ich bin da nicht so wählerisch:

Mit aufgebautem Zelt sieht’s doch schon recht gemütlich aus, oder?

Mein Rad und vor allem meinen Anhänger habe ich so gestellt, dass man das Tourenschild gut sehen kann. So sieht man hoffentlich, dass ich kein Penner bin, sondern ein Tourenradler in Not, der hier pennt.

Dafür, dass das hier eine Stichstraße an einem fast leeren Parkplatz ist, ist hier doch recht viel los. Ich, hoffe, dass es nachts ruhiger wird oder zumindest die Ohrstöpsel das meiste abhalten. Auf jeden Fall beherzige ich die alte Wildcamper-Regel, dass man entweder so versteckt ist, dass einen niemand entdeckt, oder so öffentlich, dass sich niemand bedroht fühlt. Letzteres sollte bei mir der Fall sein.

Bisher musste ich noch nie wildcampen, obwohl ich es schon mal in Erwägung gezogen hatte, aber heute führt kein Weg daran vorbei. Premiere! Spannend! 🙂

PS: Für die, die sich für den ganzen Lahntalradweg interessieren, hier noch eine Infotafel, die ich unterwegs fotografiert habe:

Video

Stefan Leupers ist verheiratet und hat zwei Töchter. Seinen ersten Computer bekam er 1984 mit 11 Jahren. Er studierte Diplom-Informatik an der RWTH Aachen und beschäftigt sich seit 1993 mit Linux. Zu seinen Interessentgebieten zählen seit dem Studium Kommunikationssysteme sowie seit 2013 auch Heimautomation; insbesondere FHEM. Seit 2016 fährt er Liegedreirad und seit 2018 Elektroauto. Die Elektroautos werden - zumindest von Frühling bis Herbst - vorwiegend mit selbst erzeugtem PV-Strom vom eigenen Dach geladen.

1 Kommentar zu „D-Tour 2022 – Tag 5 – Bad Laasphe – Stadtallendorf

  1. Hallo Stefan,
    wir haben von Dani erfahren, dass du auf Deutschland Tour bist. Tolle Sache. Wir werden deine Reise verfolgen und wünschen viel dir viel Erfolg!
    Viele Grüße
    Maria und Johannes