D-Tour 2022 – Tag 0 – Packtag

Bericht – Sa, 14.05.2022

Die Strecke ist seit einiger Zeit komplett geplant. Da war also schon lange nichts mehr zu tun. Allerdings habe ich vor ein paar Wochen die vier wesentlichen, z. T. über 1000 km langen GPX-Tracks noch in handlichere Teilstücke von max. 200 km zerschnitten, damit die Navi-App die besser handhaben kann. Locus Maps auf dem Android-Telefon verträgt die langen Tracks zwar problemlos, aber man merkt doch, dass bei langen Tracks mit so vielen Punkten die Anzeigegeschwindigkeit doch merklich in die Knie geht. Daher besser alle 200 km auf den nächsten Track wechseln. Ist ja kein Problem.

Seit Anfang 2022 war ich wieder im Training, um etwas mehr Kondition aufzubauen und fit genug zu werden, um die geplanten 100 km am Tag zu schaffen. Mitte März 2022 war es so weit, dass ich wieder die erste Tour über 100 km in diesem Jahr gemacht und ganz gut überstanden habe. 🙂

Ein gebrauchtes Ersatzhandy habe auch angeschafft und eingerichtet, da die wichtige Streckennavigation, Fotoaufnahmen und natürlich auch alle Kommunikation mit der Familie und auch das Bloggen hier komplett über mein Handy laufen soll. Da wäre es fatal, wenn es nur ein Handy gäbe, das kaputtgehen oder gestohlen werden könnte. Etwas Redundanz ist hier sicher angebracht.

Zur Ausrüstung:

  • Liegedreirad:
    • Steintrike Modell “Wild One” (3x 20″-Räder) vom österreichnischen Hersteller Bike Revolution.
    • Das ist immer noch das gleiche Rad, wie bei Nord-Süd-Deutschlandtour 2016
      … allerdings habe ich das Rad in der Zwischenzeit von Liegeradbau Schumacher in Willich (sehr zu empfehlen!) tunen lassen.
      • Mit der alten 27-Gang-Ketten Schaltung hatte ich immer wieder Probleme, weil aufgrund der kleinen 20″-Reifen in den kleinen Gängen hinten Teile des Schaltwerks so knapp über dem Boden hingen, dass sie mit Bordsteinkanten, Steinen oder Ästen kollidiert sind und verbogen wurden. Nervig.
        Daher habe ich mir jetzt ein Pinion P1.18 Getriebe gegönnt. Das ist ein kompaktes Getriebe, ähnlich einem Autogetriebe, welches 18 fein abgestufte Gänge ohne Überschneidung mit einem praktischen Drehgriff bietet. Das Getriebe wurde vorne am Ausleger verbaut, so dass am Hinterrad die Schaltung komplett entfernt werden konnte. Ich habe das Pinion-Getriebe jetzt seit ca. einem Jahr und bin damit sehr zufrieden.
        Ein weiterer Vorteil: Früher saßen die beiden Schalthebel oben auf den Lenkerenden. Da diese jetzt durch den einen Drehgriff mit 18er-Rasterung ersetzt wurden, konnten die beiden Außenspiegel von unten an der Seite der Lenker auf die Spitze der Lenkerenden umgebaut werden, was die Sicht nach hinten wesentlich erleichtert. Top!
        Ich fahre das neue Setup jetzt seit ca. einem Jahr und bin sehr zufrieden damit.
      • Das zweite Problem ist, dass es meine fast 49 Jahre alten Knie nicht mehr ganz so gerne mögen, wenn ich mich an steilen Bergen voll in die Pedale stemme. Ganz besonders schlimm war’s damals auf der Vennbahn-Tour mit 288 km an zwei Tagen und einigen krassen Steigungen im südlichen Teil der Strecke. Tja, man wird halt nicht jünger…
        Daher habe ich mir – vor allem zur Schonung der Knie am Berg – einen elektrischen Antrieb im Hinterrad mit zwei Akkus, welche rechts und links unter dem Sitz verbaut sind, gegönnt.
        Die Fahrstufen 1-4 bieten dauerhafte Unterstützung von ca. 50 – 250 W. Stufe 5 kann z. B. an steilen Stellen mit schlechtem Untergrund oder für das schnelle Überqueren von Autostraßen u.ä. vorübergehend auch mal bis zu 500 W Unterstützung beisteuern. Dauerhaft kann man Stufe 5 aber nicht nutzen, da der Motor und/oder die Motorsteuerung dann wohl zu heiß wird und anfängt zu stottern. Das habe ich bei einer Fahrt auf die Sophiehöhe, einer Abraumhalde aus dem hiesigen Braunkohletagebau bei Jülich, mit ihren z. T. doch recht steilen Auffahrten ausprobiert.
        In der Regel nutze ich aber eigentlich immer nur Stufe 1. Nur wenn es zu stark bergauf geht, kommen vorübergehend höhere Stufen zu Einsatz.
        Die beiden 48V-Akkus haben eine Kapazität von jeweils 720 Wh, was in der Ebene mit Stufe 1 und seltenem Einsatz von höheren Fahrstufen für über 100 km Reichweite pro Akku sorgt. Theoretisch sind mit beiden Akkus also auch über 200 km an einem Tag möglich, was genug Luft für längere Tagesetappen bzw. höhere Unterstützung auf bergigen Etappen lässt.
        Auch diese Anschaffung habe ich nicht bereut und seither nach dem Radfahren keine Knieprobleme mehr, oder höchstens noch selten und wesentlich weniger.
  • Anhänger:
    • Bei der ersten großen Tour hatte ich sämtliches Gepäck am und auch recht hoch auf dem Gepäckträger untergebracht. Das war aber nicht so optimal, denn durch den höheren Schwerpunkt war die Kippgefahr in Kurven mit allem Gepäck deutlich höher als normal. Scharfe Kurven musste ich also immer recht langsam fahren. Außerdem war das Rad mit mir und allem Gepäck vermutlich etwas überladen, was damals kurz vor Kempten im Allgäu vermutlich auch zu dem Bruch der Speichen im Hinterrad geführt hat.
    • Daher habe ich mir jetzt einen Fahrradtransportanhänger (Croozer Cargo Kalle zzgl. Regenschutz) gekauft, um Teile des Gepäcks dort unterzubringen. Nach einigen Probefahrten kann ich sagen, dass das super klappt und man den Anhänger beim Fahren kaum merkt, da er einfach sehr ruhig hinterherläuft.
    • Das einzige Problem mit dem Anhänger ist, dass er keine Schutzbleche hat und man diese leider auch nicht als Zubehör kaufen kann. Bei Regen oder matschigem Untergrund schleudern aber die beiden Anhängerreifen Wasser und Dreck an die Taschen am Gepäckträger und – schlimmer noch – sogar bis auf meine Jacke. Das kann eine ziemliche Sauerei sein. Daher habe ich mir ein 2er Set Stahl-Schutzbleche (Affilate-Link) bestellt, welche eigentlich für einen Simson Fahrrad- und Mopedanhänger aus der ehemaligen DDR gedacht sind. Ich finde das sehr passend, weil mich die erste große Mehrtages-Tour mit dem neuen Anhänger ja in den Osten führt, quasi in die Heimat der Schutzbleche.
      Die Montage war nicht ganz sooo einfach, weil die eigentlich für 20″-Räder gedacht sind, so dass ich sie für die 16″-Räder meines Anhängers etwas kürzen und auf einen kleineren Radius zurechtbiegen musste, was aber überraschend gut geklappt hat. Die Halterung dazu habe ich mir mit einigen Teilen aus dem Baumarkt improvisiert.
      Ein paar mehr Details und auch Bilder dazu findet Ihr im Artikel zu einer kurzen Testrunde nach Schleiden.

Taschenübersicht & Packliste:

  • Kleine, schwarze Rahmentasche auf dem Rohr des Tretauslegers vorne:
    • Taschentücher, eine kleine Powerbank, Handschuhe sowie die Regenhülle fürs Handy
  • Schwarze Tasche oben auf dem Gepäckträger:
    • Dinge, an die man evtl. tagsüber auf Tour schnell erreichbar haben muss:
      • kleine, rote Erste-Hilfe-Tasche mit Pflastern, Medikamenten usw.
      • kleines Dreibeinstativ von sp-connect fürs Handy
      • Sonnencreme & Mückenschutz
      • Feuchttücher (insbes. zur Handhygiene z. B. auch nach Reparaturen)
      • Regenschutz für den Sitz des Liegerades (= präparierter großer Müllsack plus 2 Wascheklammern, falls ich das Rad mal im Regen abstellen muss
      • kleine elektrische Luftpumpe
      • Stirnlampe
      • und ein paar weitere Kleinigkeiten
  • Große, rote 35-Liter Ortlieb Radtasche (Back-Roller Pro Classic) rechts am Gepäckträger
    • Alle Klamotten, thematisch sortiert in beschrifteten Beuteln verschiedener Größen von Frilufts
      • Oberteile: 3 Rad-Langarm-Shirts (zum Radfahren), 1 Radweste (falls der Fahrtwind den Körper auskühlt, aber es für eine Jacke mit Armen zu warm ist), 1 dicke Innenjacke (z. B. abends im Zelt, wenn es kühl wird), 1 dünne Außenjacke (primär für Freizeit)
      • Hosen: 1 Treckinghose (für einigermaßen warme Tage; eine zweite, identische Hose habe ich beim Start an), 2 lange, warme Fahrradhosen (falls es beim Fahren oder nachts im Zelt mal kühler werden sollte), 1 kurze Jeans (für Freizeit)
      • Unterwäsche: 1 Badehose (man weiß ja nie, ob sich nicht die Gelegenheit ergibt), 3 Unterhosen, 3 kurze und 2 lange Socken unterschiedlicher Dicke/Wärme zum Fahren, für Freizeit und ggfs. auch für nachts im Schlafsack, falls es mal kühler wird.
      • Schlafsachen: 2 lange Schlafanzughosen für nachts (als “Schlafoberteil” ziehe ich abends immer schon ein frisches Langarmshirt an, mit dem ich dann auch am nächsten Tag fahre), 2 Mützen sowie 2 Buffs (dünn und dick; je nachdem wie kalt es nachts wird, damit Kopf und Hals warm bleiben), Ohrstöpsel
    • In Außentasche:
      • Wasserdichter Beutel mit Regenklamotten
        • Regenjacke (wenn ich sie nicht gerade anhabe)
        • Regenhose
        • Regenüberzieher für Schuhe
    • Oben drauf:
      • 1x Fahrradschloss, kl. wasserdichter Beutel mit warmen Ersatzhandschuhen, Klopapierrolle (in wasserdichtem Beutel von Ortlieb)
    • Hängend davor:
      • 3-Liter Source Trinkblase voll mit Leitungswasser mit isoliertem Trinkschlauch (als Haupt-Getränkequelle während der Fahrt oder auch nachts im Zelt)
  • Große, rote 35-Liter Ortlieb Radtasche (Back-Roller Pro Classic) links am Gepäckträger
    • roter, wasserdichter Sack mit Brennspiritusflaschen (1x 1-Liter trangia-Sicherheitsflasche zum praktischen Dosieren und 1x Nachfüllflasche, was für die 4-5 Wochen Tour reichen müsste)
    • Brennspiritus-Kocherset im Beutel:
      • trangia Spirituskocher Sturmkocher 25-7 Ultralight Hartanodisiertes Alu mit
        2 Töpfen, Pfanne, Wasserkessel, Schneidbrett/Sieb, Feuerzeug & Feuerstahl, Klapppfannenwender, Göffel (Gabel/Löffel-Kombination), Messer, hitzebeständige Handschuhe (zum Verstellen des heißen Dosierrings)
    • Leichte Metall-Tasse (auch zum Abmessen von Wasser)
    • Essensvorräte (Tütengerichte, Bifi, Kekse etc.)
    • Öl, Salz, Pfeffer (im wiederverschließbaren Beuteln)
    • Abwaschzeug (faltbare Abwaschschüssel, Spüli, Schwamm, Handtuch)
    • Kulturbeutel (Zahnbürste, Duschzeug, Deo etc.) und Mirofaser-Handtücher
    • Wäscheleinen, kl. Reiseklappbügel etc. zum Trockner der Wäsche
    • In Außentasche:
      • Kühltasche mit Tagesverpflegung und ggfs. zu kühlenden Einkäufen für abends
    • Oben drauf:
      • 1x Fahrradschloss, Badelatschen
    • Hängend davor:
      • 3-Liter Source Trinkblase voll mit Leitungswasser (Nachschub)
  • Im Anhänger:
    • Zelt (Exped Gemini II) und Vorzelt aka Fahrradgarage (Exped Outer Space) in wasserdichtem Beutel, weil das Zelt morgens oft feucht oder gar richtig nass ist
    • Isomatte (Therm-a-rest), Schlafsack (Frilufts Leera Comfort L), aufblasbares Kopfkissen
    • Tasche mit 25 m Verlängerungskabel, Adapter (blauer Campingstecker auf Schuko), kompakte Mehrfachsteckdose mit integrierten USB-Anschlüssen, damit nachts ich im Zelt meine Fahrradakkus, Handys etc. aufladen kann.
    • kleiner Beutel mit Elektronikkram (USB-Ladegeräte und Kabel, USB-Lampe für Zelt, Bluetooth-Tastatur zum einfacheren Tippen am Handy, Ersatz-Akkus und Ladegerät für Anhänger-Rücklichter usw.)
    • Ersatz-FFP2-Masken
    • kl. 0,5 Liter Flasche mit Waschmittel
    • Beutel mit Werkzeug und Ersatzteilen für Reparaturen
    • 2. Paar Fahrradschuhe für meine Klickpedale (wenn’s warm und trocken genug ist, nutze ich normalerweise die Fahrradsandalen, ansonsten die geschlossenen Fahrradschuhe)
    • und diverser Kleinkram

Vieles von dem, was ich diesmal mithabe, hab ich schon 2016 für die erste große Tour gekauft und dort bereits ausführlich beschrieben; siehe auch Packliste der Deutschland Nord-Süd Tour.

Die Taschen und der Anhänger sind jetzt weitestgehend gepackt. Vor der Abfahrt kommen nur noch die Tagesverpflegung und letzte Ladekabel, welche ich heute Nacht noch brauche, dazu. Dann kann es auch schon losgehen…

Stefan Leupers ist verheiratet und hat zwei Töchter. Seinen ersten Computer bekam er 1984 mit 11 Jahren. Er studierte Diplom-Informatik an der RWTH Aachen und beschäftigt sich seit 1993 mit Linux. Zu seinen Interessentgebieten zählen seit dem Studium Kommunikationssysteme sowie seit 2013 auch Heimautomation; insbesondere FHEM. Seit 2016 fährt er Liegedreirad und seit 2018 Elektroauto. Die Elektroautos werden - zumindest von Frühling bis Herbst - vorwiegend mit selbst erzeugtem PV-Strom vom eigenen Dach geladen.